Der Kölner Versicherungskonzern Gerling hat laut einem Zeitungsbericht Telefon- und E-Mail-Daten von Mitarbeitern ausspioniert. Ziel sei gewesen, in den Jahren 2002 bis 2004 eine undichte Stelle im Unternehmen zu finden.
Verwaltung des Gerling-Versicherungskonzerns in Köln. Der Versicherungskonzern hat Mitarbeiter bespitzelt. Foto: dpa
HB HAMBURG. Das berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Montag unter Berufung auf Versicherungskreise. Interne Gerling-Unterlagen seien vor den Abhöraktionen an die Medien gelangt.
Der Talanx-Konzern, zu dem Gerling heute gehört, bestätigte den Bericht zum Teil. Ein Sprecher sagte der Zeitung, das Unternehmen habe einen Fall aus dem Jahr 2004 gefunden. Man gehe davon aus, dass dabei legal vorgegangen wurde, könne aber nicht nicht ausschließen, dass es mehrere Fälle gegeben hat.
In dem von Talanx eingeräumten Fall ging es nach Informationen der FTD um einen Artikel im Wirtschaftsmagazin "Capital", der im Februar 2004 erschien und der sich mit den gekürzten Betriebsrenten bei Gerling beschäftigte. Details wollte Talanx jedoch nicht bestätigen. Durchsucht worden seien auf Anordnung der Konzernrevision bei Gerling Zielnummern und-adressen von dienstlichen Telefon- und E-Mail- Anschlüssen, nicht jedoch die Inhalte der Gespräche und Nachrichten, hieß es.
Für Aufsehen hatten in den vergangenen Monaten bereits Bespitzelungsmaßnahmen bei der Deutschen Telekom gesorgt. Das Unternehmen räumte ein, dass im Jahr 2005 und wohl auch 2006 widerrechtlich Verbindungsdaten ausgewertet worden seien. Ziel war nach Angaben aus Konzernkreisen herauszufinden, wer die Medien mit vertraulichen Informationen versorgte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Vorsitzenden des Telekom-Aufsichtsrates, Klaus Zumwinkel.

