Versicherungsriese: Allianz räumt Scheitern im Bankgeschäft ein

Versicherungsriese
Allianz räumt Scheitern im Bankgeschäft ein

Die Allianz ist mit dem Einstieg ins Bankgeschäft gescheitert. Das gibt Deutschland-Vorstand Moschner unumwunden zu. Die betroffenen Mitarbeiter sollen im Konzern untergebracht werden – garantiert ist das jedoch nicht.
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MünchenDie Allianz hat ihr Scheitern im Bankgeschäft eingeräumt. „Wenn man die Bank schließt, dann ist das natürlich ein Scheitern“, sagte der zuständige Allianz-Deutschland-Vorstand Andree Moschner dem Handelsblatt. Der Versicherungskonzern habe in den vergangenen Jahren netto rund 400 Millionen Euro in die Allianz Bank gesteckt. Diese soll nun wegen anhaltender Verluste Mitte des Jahres geschlossen werden.

Die Allianz bemühe sich, die 450 betroffenen Mitarbeiter anderswo im Konzern unterzubringen, sagte Moschner. „Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nicht ausgeschlossen.“ Die Allianz habe es lange probiert. „Wir haben langen Atem gezeigt, wir haben das Geschäft vier Jahre gemacht.“

Eine Trendwende sei aber nicht in Sicht. Für die Schwierigkeiten machte er vor allem die Finanzkrise und das Niedrigzinsniveau verantwortlich. „Außerdem haben wir es nicht geschafft, das Bankgeschäft in der Breite in die Agenturen zu bringen.“

Die Allianz hatte ihre Bank nach dem Verkauf der Dresdner Bank im Juni 2009 aus der Taufe gehoben. Sie ist eine Tochter der Oldenburgischen Landesbank (OLB). An der Regionalbank will die Allianz hingegen festhalten. Mit der Allianz Bank wollte der Konzern über die Versicherungsvertreter auch weiterhin einfache Bankprodukte wie Giro- oder Tagesgeldkonten, Fondssparpläne oder Kleinkredite anbieten.

Zum Start hatte die Allianz Bank einen Kundenstamm von rund 350.000 Kunden, die von den Allianz-Vertretern ursprünglich für die Dresdner Bank angeworben waren. Damals hatte die Allianz Bank das Ziel ausgegeben, jedes Jahr 100.000 neue Kunden anzuwerben und spätestens 2014 keine Verluste mehr zu schreiben. Doch diese Ziele waren bis zuletzt nicht erreicht worden. „Unsere Erwartung, mit unserem Geschäftsmodell im hart umkämpften Privatkundengeschäft profitabel wachsen zu können, hat sich nicht erfüllt“, sagte Moschner, der auch OLB-Aufsichtsratschef ist.

Die Verluste der Allianz Bank sind vergleichsweise niedrig – im Bankgeschäft kam die Allianz zuletzt dank kleiner OLB-Gewinne operativ auf eine schwarze Null. Dennoch entschied sich der Versicherungskonzern nun für den radikalen Schnitt.

Die Abwicklungskosten werden von der Allianz Deutschland getragen, die auch die Anlaufverluste der Allianz Bank übernommen hatte. Ein Sprecher sagte, die Allianz Bank habe den Konzern seit der Gründung vor vier Jahren rund 400 Millionen Euro gekostet. Länger laufende Produkte würden fortgeführt, für Konten und Kreditkarten müssten sich die Allianz-Bank-Kunden aber eine neue Bankverbindung suchen, sagte der Sprecher. Das betrifft nach Angaben der Bank etwa 325.000 Kunden. Die im Nordwesten Deutschlands tätige OLB selbst sei von der Schließung unberührt.

Kommentare zu "Allianz räumt Scheitern im Bankgeschäft ein"

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  • Hallo,
    als direkt betroffener: Der Vertriebskanal der All. ist der VT und nicht das Internet. Die OLB hat auch kaum Erfahrung mit dem Internetverkauf. Und die meisten VT ließen sich nach der Pleite mit der AAB, der Dreba und dem Chaos in 06/2009 <noch> nicht für Bankgeschäft begeistern. Und mit der vorhandenen Produktpalette (keine Ratenkredite, keine Baufi, keine gewerbl.Immobilienfin. usw.) ist es schwer gewinne einzufahren.Hätte eine Verlängerung der Kosten/-Verlustübernahme erwartet, aber gut...Freitag gibt es die Verkündigung des Sozialplanes.

  • Schade, dass die Allianz als kerngesundes Unternehmen keinen langen Atem hat und nun 400 Mio. miese über 4 Jahre zur Schließung begründet. Die Marke Allianz ist und bleibt ein Pfund nur die Strategie war m. E. die falsche. Warum nicht erst mal als Bank im Internet etablieren und hieraus Wachstum schaffen, nein man wollte zunächst den potentiellen Kunden zwingen über ihre Versicherungsagenturen Bankprodukte abzuschließen natürlich mit dem Hauptziel Versicherungsprodukte/Fonds an den Mann zu bringen und nur nach und nach hat man Online-Abschlüsse zugelassen, zu zaghaft. Hier sage ich umgekehrt wird ein Schuh draus,
    über die OLB wäre es ein Leichtes gewesen eine zunächst reine Online-Bank zu schaffen
    und dann wäre man an Klientel gelangt die sonst nicht via Allianz-Agenturen abschließen.

  • Bei den Mitarbeitern der Allianz Bank handelt es sich überwiegend um "alte" Miarbeiter der Dresdner Bank mit gut dotierten Verträgen. Die wird sich die Allianz genauso wenig ans Bein binden wollen wie die Oldenburgische Landesbank AG sich die Allianz Bank Kunden. Hier und da wird ein guter Verkäufer eine Chance haben, aber in der Breite werden die Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt zufließen ...

  • Woher kommt die Information, dass man für die 450 Mitarbeiter andere Aufgaben im Unternehmen sucht? Meines Wissens ist eine Übernahme der betroffenen Mitarbeiter nicht angedacht. Das wird wohl auf betriebsbedingte Kündigungen rauslaufen..

  • Wäre nicht das erste Mal für Hr.Moschner. Als gehorsamer Adlatus von Herbert Walter gemeinsam das Privatkundengeschäft der DB verhunzt, dann gemeinsam die Dresdner Bank vor die Wand gefahren und jetzt die Allianz Bank. Und als "Einflüster" immer dabei McKensey & Co. Und heute schreibt Herbert Walter Kolumnen im HB. Honi soi qui mal y pense !

  • Es zeigt schon eine ordentliche Portion Ignoranz und Dummheit bereits zum zweiten mal die Fähigkeiten der Allianz Verkäufer / Vertreter zu übersschätzen, die sind eben nicht in der Lage aufgeklärtes immer anspruchsvoller werdendes Klientel vernünftig zu beraten. Ein lahmes Entchen wird nie zum Schwan.

  • Ob in den 1990er die Aachener und Münchener Versicherung die BfG-Bank kaufte, um Bankprodukte über ihre Vertreter verkaufen zu können, die Allianz die Dresdner kaufte, oder die Allianz es mit der Allianz Bank versuchte - die Bancassurance-Idee war und ist mal wieder gescheitert.

    Warum analysieren diese Herren nicht einmal die Kundenbedürfnisse? ... oder den Wandel der Märkte für Versicherungs- und Bankprodukte? ... oder fragen sich einmal, wer bei all den Skandalen bei Banken und Versicherungen den Vertretern dieser Häuser noch VERTRAUT - insbesondere bei längerfristig laufenden Produkten?

    Nein - Ideen hat keiner mehr von denen!

  • ..................................
    ALLIANZ SE
    ..................................
    ..
    das einzige investment, das sich bei
    der ALLIANZ rechnet, ist die aktie.!
    ..
    alle anderen anlagen sind zu
    ..
    langfristig
    kostenträchtig
    renditeschwach
    ..
    deshalb werden sehr viele verträge
    gekündigt oder beitragsfrei gestellt.
    ..

  • Was soll dieser melancholische Unsinn: die Leute (Kunden) mit Giro können dieses einfacher als je zuvor in eine andere Bank "ziehen", es gibt Umleitungsservice der Banken, das muss der Kunde nichts tun! LEID sollten einem die 450 Angestellten mit unsicherer Zukunft tun! Schönen Tag!

  • Mir tun nur die Leute leid, die bei dieser Bank ein Girokonto haben und dort ihren gesamten Zahlungsverkehr abwickeln.

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