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06.09.2007 

Die Beschäftigten, die bei dem Versicherungskonzern bleiben, haben eine Sorge weniger: nicht mehr Sozialdaten – wie zunächst geplant – entscheiden, wo sie arbeiten, sondern ihre fachliche Qualifikation. Wo diese nicht reicht, gibt es Schulungen. Ein Teil der Belegschaft kommt in sogenannte Service-Einheiten. Diese sollen Versicherungsbestände in die neue Struktur überführen und überall dort helfen, wo Not am Mann ist. Gleichzeitig bereiten sich einige der Mitarbeiter auf frei werdende Stellen in anderen Fachbereichen vor.

Bis Ende 2008 soll der gesamte Umbau abgeschlossen sein. Gewissheit über künftige Tätigkeiten und Einsatzorte sollen alle Mitarbeiter bis Ende September dieses Jahres haben. „Wir bewegen uns im Zeitplan“, sagt Personalvorstand Ulrich Schumacher.

Ortswechsel: Köln, Außendienst der Allianz: Ein Stündchen kann Hans Chauvel abzwacken für ein Gespräch. Doch Zeit ist knapp. Denn Zeit ist Geld. Versicherungsvertreter wissen das. Hans Chauvel hat den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Als Verkäufer hat er in der Vergangenheit ein gutes Händchen bewiesen – zwei Mal in drei Jahren konnte er als festangestellter Vorsorgeversicherungsbeauftragter die Auszeichnung „Gold“ abräumen. 200 Prozent über den Zielvorgaben muss man dafür erreichen.

Den Unmut der Kunden bekommen die Versicherungsvertreter zu spüren

Die Urkunden zieren die Wand, sind aber nicht das Erste, was Kunden ins Auge sticht, die das Büro im Kölner Stadtteil Ehrenfeld betreten. Das auffälligste Mobiliar ist ein Kicker – die Allianz-Arena, logisch. Dafür hat Hans Chauvel Zeit? „Na ja, manchmal“, lacht der 44-Jährige, meistens nicht. Zwölfstundentage sind die Regel, nicht die Ausnahme. Als Festangestellter der Allianz war es eher anders herum. Auch ihn hatte der Stellenabbau kalt erwischt: Als er auf eine Beförderung, eine Führungsposition in Köln hoffte, gab es plötzlich nicht mehr genügend Mitarbeiter zu führen.

Erfolge in der Vergangenheit, das bedeutet bei der Allianz in diesen Tagen nicht, dass es auch erfolgreich weitergeht. Die Zeiten des Umbaus sind grundsätzlich schwierig, für Innen- wie Außendienstler. Letztere klagen über eine lange Leitung ins Unternehmen, Anrufe endeten oft im Nichts. Sachbearbeiter seien nicht greifbar und die Bearbeitungszeiten teils katastrophal. Dauerte die Bearbeitung eines Antrags vor dem Umbau in der Regel ein bis zwei Wochen, sind es nun oft drei, manchmal auch vier.

Den Unmut der Kunden bekommen die Versicherungsvertreter zu spüren. „Stellenabbau in Zeiten von Rekordverdiensten – ja, spinnt ihr denn!?“ Immer wieder kündigten Kunden in den vergangenen Monaten bestehende Verträge. Vertriebsbereichsleiter bestätigen: „Unsere Leute mussten enorm gegensteuern, sich immer wieder rechtfertigen für etwas, das gar nicht auf ihre Kappe geht.“ Hans Chauvel nickt. Das kostete Nerven, fraß Energie – und ging auf Kosten der Akquise und so auf die Einkommen.

So mag sich die Stimmung im Innendienst der Allianz aufgehellt haben. Außen ist sie noch düster. „In einem solchen Umbauprozess, das will ich gar nicht verschweigen, gibt es immer Unsicherheiten und offene Frage“, sagt Personalvorstand Schumacher. Damit müsse man sich beschäftigen.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Wie die neue Welt der Allianz Deutschland AG funktioniert.

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