Analysten fürchten kurz ein schwaches Quartalsergebnis bei der Deutschen Bank. Sogar eine Kapitalerhöhung schließen einige Experten nicht mehr aus. Grund dafür könnten hohe Abschreibungen im zweiten Quartal sein.
FRANKFURT. Kurz vor Ende des ersten Halbjahres wächst am Finanzmarkt die Sorge vor einem schwachen Quartalsergebnis der Deutschen Bank. Einige Analysten befürchten sogar eine Kapitalerhöhung bei Deutschlands größtem Kreditinstitut. Die jüngsten Kapitalerhöhungen in der Branche wie bei Fortis „dürften zu erhöhtem Druck von Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und Investoren auf die Bank führen, ihr Kapital zu erhöhen“, hieß es in einer Analyse des US-Finanzkonzerns Citigroup.
Auslöser könnten auch darüber hinaus Abschreibungen im zweitem Quartal sein. Neben Société Générale, Natixis und Credit Suisse dürften auch auf die Deutsche Bank weitere Lasten zukommen, urteilte die US-Investmentbank JP Morgan. Auf den deutschen Branchenprimus könnten im weiteren Jahresverlauf noch 3,6 Mrd. Euro vor Steuern zukommen.
Ein Sprecher der Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Er verwies lediglich auf die über Plan liegende Kapitalausstattung des Konzerns und Aussagen von Bank-Chef Josef Ackermann. Der hatte auf der Hauptversammlung vor einem Monat eine Kapitalerhöhung ausgeschlossen. Trotzdem fiel die Aktie des Instituts am Freitag um gut zwei Prozent.
Wegen der Finanzkrise mussten bereits viele Banken frisches Kapital aufnehmen – zuletzt die belgische Fortis. Die Deutsche Bank hatte im Auftaktquartal erstmals seit fünf Jahren wieder einen Verlust ausweisen müssen. Allerdings ist die Kernkapitalquote als Ausweis der Kapitalstärke mit 9,2 Prozent überdurchschnittlich hoch.
„Im Moment halte ich die Wahrscheinlichkeit für nur wenig geringer als 50 Prozent“, urteilte ein Frankfurter Experte. Es sei noch nie so schwierig wie derzeit gewesen, Quartalsergebnisse von Banken zu prognostizieren. Bei der Deutschen Bank sei etwa unklar, wie sich der Wert ihrer Finanzierungszusagen für Firmenübernahmen (Leveraged Loans) von zuletzt 33 Mrd. Euro entwickelt habe.
Andreas Weese, Analyst bei Unicredit hält die Ausgabe frischer Aktien für unwahrscheinlich. „Ich wäre sehr überrascht, wenn die Deutsche Bank tatsächlich eine Kapitalerhöhung benötigen würde – es sei denn, es stünde eine Übernahme bevor“, sagte der Experte. Erste konkrete Ergebnisschätzung für das zweite Quartal sind traditionell frühestens Mitte des kommenden Monats zu erwarten.
Derzeit stehen hierzulande mit der Dresdner Bank, der Postbank und der Citigroup-Tochter Citibank gleich drei Institute zum Verkauf. Bei Citibank und Postbank werden Josef Ackermann gute Chancen eingeräumt, den Zuschlag zu bekommen. „Es wäre in diesen Zeiten nicht ungeschickt, die fällige Kapitalerhöhung dann etwas größer zu dimensionieren“, sagte ein Analyst.

