Im Gegensatz zur Finanzindustrie und ihren Aufsichtsbehörden können die Zentralbanken in der jüngsten Finanzkrise auf ein funktionierendes Krisenmanagement verweisen. Das gilt insbesondere für die zügige Bereitstellung von Liquidität für das Bankensystem und für die Erweiterung der Refinanzierungsmöglichkeiten für notleidende Kapitalanlagegesellschaften.
BERLIN. Zu diesem positiven Ergebnis kommen die im Baseler Ausschuss für das weltweite Währungssystem (CGFS) zusammengeschlossenen Notenbanken aus zahlreichen Ländern mit Blick auf das aktuelle Krisenmanagement.
Aufgrund der von Francesco Papadia von der Europäischen Zentralbank (EZB) koordinierten Untersuchung mit dem Titel "Central Bank Operations in Response to the Financial Turmoil" sprechen die Experten in sieben Bereichen nun Empfehlungen aus.
Erstens dürfen Zentralbanken auch in Zeiten von Finanzturbulenzen ihre geldpolitischen Ziele nicht aufgeben. Sie sollen zweitens rechtzeitig die Probleme in der Veränderung der monetären Reserven im Inland erkennen, aber auch drittens die plötzliche Illiquidität einzelner Märkte und Finanzinstitute ins Visier nehmen. Viertens müssten im Wege verstärkter Kooperation der Notenbanken auf plötzliche Verschiebungen in der internationalen Verteilung monetärer Reserven reagiert werden. Fünftens müssten Währungsbehörden den Gefahren von Fehlinformationen und Missverständnissen bei Marktakteuren größte Aufmerksamkeit widmen. Sechstens sollten Widerstände von Finanzinstituten abgebaut werden, sich über ständig bereitstehende Kreditlinien bei Zentralbanken zu sichern. Siebtens müssten die Kosten von Zentralbankinterventionen unter Kontrolle bleiben.
Im Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) heißt es zum neuen Empfehlungskatalog treffend: "Die nächste Finanzkrise wird mit Sicherheit unerwartete Merkmale aufweisen und von den Zentralbanken Reaktionen erfordern, die sich nicht vorausplanen lassen. Daher wird es wahrscheinlich unmöglich sein, Handlungsrahmen zu entwickeln, die ein umfassendes Notfallpaket enthalten." Mit diesem Vorbehalt ist die BIZ bemüht, überzogene Erwartungen in verbesserte Instrumente von Notenbanken in Krisenzeiten zu dämpfen.
Gleichwohl belegen die heute vorgelegten Empfehlungen, dass Zentralbanken aus der Subprime-Krise eine zentrale Schlussfolgerung gezogen haben: dass die erfolgreiche Bewältigung von Finanzkrisen in gewissem Maße davon abhängen wird, inwieweit die Zentralbanken ihre Innovationsfähigkeit bewahren.

