Vorsichtige Banken, zurückhaltende Investoren: Die Kreditkrise hat schwere Schäden in der Finanzwelt hinterlassen. Gut so, denken sich Banker und Anwälte, die sich auf Sanierung spezialisert haben. Auf die bisher unterbeschäftigte Branche warten jede Menge Aufträge.
Immobilienkrise: Banker und Anwälte bereiten sich auf eine Welle von faulen Krediten vor. Foto: Reuters
LONDON. Banker und Anwälte bereiten sich auf eine Welle von faulen Krediten vor, die den ansonsten derzeit eher unterbeschäftigten Kanzleien und Geldhäusern jede Menge Arbeit bescheren soll. „Wir erwarten, dass die Zahl von Finanzierungen, die in Not geraten und restrukturiert werden müssen, ab 2009 deutlich steigt“, meint Frank Grell, Partner der Anwaltskanzlei Latham & Watkins.
Grell erwartet, dass vor allem Übernahmekredite von Beteiligungsgesellschaften in Zahlungsverzug geraten werden. Die Wurzel des Problems liege in der Hochphase des Beteiligungsbooms 2005, 2006 und Anfang vergangenen Jahres, als sich die Banken mit aggressiven Finanzierungsangeboten übertroffen, und die Private-Equity-Investoren Höchstpreise für Unternehmen bezahlt hätten. „2009 werden viele dieser Darlehen fällig und die Refinanzierung dürfte den Schuldnern angesichts der Kreditkrise schwerfallen“, warnt Grell.
Auch nach Einschätzung der Investmentbank Morgan Stanley kommen auf die Beteiligungsgesellschaften ernste Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Finanzierungsverträge für Übernahmen zu. Diese Probleme werden nach Meinung der Bank zu einer Welle von Neuverhandlungen und zu schärferen Kreditbedingungen führen.
Banken und Anwälte sind auf die erwartete Flut von Restrukturierungen gut vorbereitet. Bereits vor etwa einem Jahr haben Geldhäuser wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley damit begonnen, in großem Stil Experten für die Restrukturierung fauler Kredite und Anleihen einzukaufen.
Gleichzeitig legen Finanzinvestoren Fonds auf, die speziell in notleidende Kredite investieren sollen. Im Mai sammelte die US-Firma Oaktree Capital über zehn Mrd Dollar für einen sogenannten Distressed Debt Fund ein und stellte damit einen neuen Rekord auf. „Wir stecken in einer wirtschaftlichen Schwächephase, und die Beteiligungsgesellschaften haben sehr hohe Preise für Übernahmen bezahlt“, erläuterte Oaktree-Chairman Howard Marks damals. Es sei unvermeidlich, dass eine Reihe dieser Zukäufe die finanziellen Erwartungen nicht erfüllen werde.
Auch die Beteiligungsgesellschaften wollen von den Fehlschlägen ihrer eigenen Branche profitieren. Unter anderem arbeiten die Private-Equtiy-Gesellschaften Texas Pacific Group und JC Flowers an Fonds, die in strauchelnde Unternehmen investieren sollen. Weltweit haben Finanzinvestoren nach Zahlen des Instituts Private Equity Intelligence bereits 35 Mrd. Dollar für Fonds eingeworben, die auf notleidende Kredite spezialisiert sind. Gebremst wird der Optimismus allerdings durch die Tatsache, dass auch der Handel mit faulen Krediten unter der Finanzkrise leidet. Die Banken seien derzeit kaum bereit, notleidende Kredite zu verkaufen, meint ein Londoner Banker.
Grund dafür sei, dass diese mit Abschlägen von 50 Prozent und mehr gehandelt würden. Gleichzeitig hielten sich die Investoren zurück, weil sie fürchteten, dass die faulen Darlehen angesichts der fragilen Lage der Weltwirtschaft noch weiter an Wert verlieren könnten. Aber der Banker ist sich sicher, dass sich dieses Patt angesichts der Flut fauler Übernahmefinanzierungen, die auf die Kreditinstitute zurollt, auflösen wird. „Die Banken werden nicht mehr in der Lage sein, das selbst abzuarbeiten, und deshalb weitere Zugeständnisse beim Verkauf der Darlehen machen müssen.“

