10.02.2009

Banken: Warum der Zorn in Sachen Boni ungerecht ist

Die Aufregung ist ebenso groß wie vorhersagbar. Kaum hat bei den großen Banken die Bonussaison begonnen, da entbrennt auch schon der Streit, ob die Ausschüttungen moralisch und ökonomisch zu rechtfertigen sind. Schließlich haben die Banker uns mit ihrem verantwortungslosen Handeln in die Krise gestürzt. Und jetzt sollen sie dafür auch noch belohnt werden. Völlig absurd, oder?

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Auch in der Bankenmetropole London diskutiert man über die Höhe der Boni. Foto:  apLupe

Auch in der Bankenmetropole London diskutiert man über die Höhe der Boni. Foto: ap

In Großbritannien entzündet sich die Diskussion vor allem am Fall der Royal Bank of Scotland, die inzwischen nicht nur mehrheitlich dem Staat gehört, sondern 2008 auch den höchsten Verlust in der Wirtschaftsgeschichte der Insel eingefahren hat. Trotzdem wollen die Schotten mehr als eine Milliarde Pfund an ihre Angestellten ausschütten. Prompt kündigte Labour-Finanzminister Alistair Darling an, dass eine unabhängige Kommission im Auftrag der Regierung das Bonussystem aller Banken des Landes überprüfen soll.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwierig, saubere und sinnvolle Kriterien für die Vergabe der Boni zu entwickeln, völlig unabhängig davon, ob die betroffenen Banken dem Staat gehören oder nicht. Lässt man Polemik und die Suche nach einem Sündenbock für die Krise beiseite, dann zeigt sich, dass sich das Bonussystem mit überschaubarem Aufwand retten und renovieren lässt. Ganz abschaffen, wie einige Kritiker fordern, sollte man es auf keinen Fall. Ansonsten droht den Banken jegliche Dynamik, Risikobereitschaft und Innovationskraft abhandenzukommen. Das kann auch in der Finanzkrise niemand ernsthaft wollen.

Inzwischen ist völlig unstrittig, dass das Bonussystem in seiner naiven Form maßgeblich zur Entstehung der Krise beigetragen hat. Dahinter steckt ein grundlegendes ökonomisches Anreizproblem. Die Banken beteiligen ihre Angestellten zwar an den Gewinnen, aber die Verluste müssen die Mitarbeiter am Ende nicht mittragen. Das System entspricht in etwa einem Roulettetisch, an dem alle Gewinne ausbezahlt werden, die Chips der Verlierer aber nie an die Bank gehen, sondern als Einsatz auf dem Tisch liegen bleiben. Die Boni der Banken haben zudem den Erfolg eines einzigen Jahres belohnt und damit die kurzfristige Gier geschürt, frei nach dem Motto: "Nach uns die Sintflut".

Diese Probleme haben Regulatoren und auch die Banken aber inzwischen erkannt, und sie arbeiten an Reformen. Der Schweizer Finanzriese UBS hat sich beispielsweise bereits entschlossen, seine Ausschüttungen über mehrere Jahre zu strecken und einen Teil der Boni einzubehalten, falls aus den Gewinnen der Banker später Verluste werden.

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