Wer bekommt die Dresdner Bank? Am Sonntag beraten die Vorstände der Allianz darüber, wem sie das Traditionshaus verkaufen wollen: der Commerzbank
oder der China Development Bank. Vieles deutet auf eine deutsche Lösung hin. Gerüchten zufolge sollen die Chinesen aber deutlich mehr bieten und den auf sieben Mrd. bis acht Mrd. Euro geschätzten Kaufpreis komplett bar bezahlen wollen.
Die China Development Bank dürfte bei der angestrebten Übernahme der Dresdner Bank mehr als nur finanzielle Motive verfolgen. Foto: dpa
PEKING. Zu einem Aktientausch, wie ihn die Commerzbank
anstrebt, wäre die Development Bank (CDB) auch gar nicht in der Lage: Sie ist nämlich selbst keine Aktiengesellschaft, sondern eine direkt der chinesischen Regierung unterstellte Investitionsbehörde. Ihr Chef, Chen Yuan, hat den Rang eines Ministers und gehört dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei an.
Sollte der Sohn des Lange-Marsch-Veteranen und Planwirtschaftsarchitekten, Chen Yun, sich durchsetzen, wäre es das erste Mal, dass eine international operierende Bank unter chinesische Kontrolle gerät. Damit würde die Dresdner Bank Teil eines bunt gemischten Portfolios. Das bestand bisher vorwiegend aus der Finanzierung chinesischer Straßen, Eisenbahntrassen, Kraftwerke oder Telefonnetze. Die Bank investiert seit kurzem aber auch in kasachisches Öl, chilenische Kupferminen oder afrikanische Fabriken.
Gemeinsam ist all diesen Engagements, dass sie sich in erster Linie nach der Pekinger Wirtschaftspolitik richten und erst in zweiter Linie nach marktwirtschaftlichen Gewinnkalkulationen. In ihrem Leitbild verschreibt sich die CDB, die 1994 als eine von drei sogenannten "Banken zur Umsetzung politischer Strategien" gegründet wurde, der "Unterstützung der staatlichen Entwicklungsziele" und der "Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes". Von Shareholder-Value oder Kundenzufriedenheit kein Wort. Ende 2007 wies die CDB einen Nettogewinn von 2,95 Mrd. Euro aus - nicht gerade viel bei einer Bilanzsumme von 288 Mrd. Euro.
Asiaten drängen auf den Weltmarkt
Zumal die Bank im Dezember von Pekings Staatsfonds, der China Investment Corp (CIC), einen Zuschuss von 13,5 Mrd. Euro erhalten hatte, um Projekte im Ausland zu finanzieren. Da die Expansion auf die Weltmärkte zu einer Säule der chinesischen Wirtschaftspolitik werden soll, muss die CDB den Anteil ihrer im Ausland vergebenen Kredite deutlich steigern. Ende 2007 lag der Anteil noch unter einem Prozent. Bereits im Juli 2007 kaufte sie für zwei Mrd. Euro einen 3,1-Prozent-Anteil an der britischen Barclays
Bank. Die Chinesen wollten Barclays
damit die Übernahme des niederländischen Konkurrenten ABN
Amro ermöglichen.
Im Januar bot die CDB an, der Citigroup
mit 1,5 Mrd. Euro aus ihrer Finanznot zu helfen, musste die Offerte aber auf Weisung des Pekinger Finanzministeriums zurückziehen. Im Februar half die CDB der staatlichen Aluminium Corp. of China, gemeinsam mit einem Partner aus den USA 9,6 Mrd. Euro aufzubringen, um zwölf Prozent an dem Rohstoffgiganten Rio Tinto
zu kaufen und so dessen Übernahme durch den Konkurrenten BHP Billiton zu verhindern.
Auch bei der angestrebten Übernahme der Dresdner Bank dürften die Chinesen mehr als nur finanzielle Motive treiben. Einerseits braucht die Staatsbank für ihre Expansion modernes Know-how. Vor allem die Investmentbanksparte Dresdner Kleinwort dürfte deshalb für sie wertvoll sein.


