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07.07.2008 
Bankenwelt

Was nach der Krise kommt

von Peter Köhler und Robert Landgraf

Die globalen Banken stehen nach dem Urteil der Unternehmensberatung McKinsey & Co vor einem „gewaltigen Comeback“. Allerdings werden sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Bankenwelt massiv verschieben.

Blick auf das Frankfurter Finanzviertel bei Nacht: Auch die deutschen Banken werden nach Ansicht von McKinsey im Vergleich zu den angelsächsischen Finanzzentren aufholen. Foto: apLupe

Blick auf das Frankfurter Finanzviertel bei Nacht: Auch die deutschen Banken werden nach Ansicht von McKinsey im Vergleich zu den angelsächsischen Finanzzentren aufholen. Foto: ap

FRANKFURT. Angelsächsische Länder – die USA, Großbritannien, Kanada und Australien – werden sich nur langsam erholen, da die dortigen Banken von Verlusten an den überhitzten Immobilienmärkten am stärksten betroffen sind. Getragen wird der nächste Aufschwung deshalb von den neuen Industrie- und Schwellenländern, einigen Staaten in Kontinentaleuropa sowie von Japan. Sie seien der Motor, der etwa zu einer Verdoppelung des globalen Bankengeschäfts bis zum Jahr 2016 führe, heißt es in der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Bis 2016 würden neue „Bankgiganten“ mit Marktkapitalisierungen von jeweils mehr als 500 Mrd. Dollar entstehen, die ganz anders aussehen würden als die heutigen Großbanken, heißt es bei McKinsey. Sie hätten dann ihren Schwerpunkt nicht mehr in einem einzigen Land – etwa den USA oder China –, sondern zeigten als „multipolare Institutionen“ eine starke Präsenz in den zukunftsträchtigen „next 20 Countries“ nach den USA. Dazu zählten unter anderem Japan, Deutschland, Italien und verschiedene neue Industrieländer wie Südkorea, Mexiko und die Golfregion. Der Anteil der US-Banken am globalen Geschäft wird demnach bis 2016 deutlich abnehmen; Japan wird aufholen, und auch China schiebt sich nach vorne. Der größte relative Zuwachs wird von den Märkten kommen, wo die Bevölkerung beim Finanzvermögen noch hinterherhinkt. Im Wesentlichen sind dies Russland, Osteuropa und Nordafrika. „Wealth Management ist und bleibt beispielsweise weltweit ein Wachstumsbereich, wo global jährliche Steigerungen um acht bis zehn Prozent durchaus möglich sind“, sagt Paul Lerbinger, Deutschland-Chef des Investment-Bankings der Citigroup.

Geschäftsvolumen der Banken

Regionale Verteilung 2011 bis 2016

„Wir müssen jetzt aus der Höhle kommen und nicht mehr nur nach den Ursachen der Krise fragen. Befassen wir uns doch besser mit den zukünftigen Chancen“, sagt Eckart Windhagen, Partner und Leiter der deutschen Finanzdienstleistungsgruppe bei McKinsey. Die Marktteilnehmer konzentrierten sich in der Diskussion zu stark auf die angelsächsische Bankenwelt. Die massive Verlagerung in die neuen Industrie- und Schwellenländer werde zu wenig berücksichtigt. Das reine Investment-Banking beherrsche zwar derzeit die negativen Schlagzeilen. Weltweit dominiere aber das Privatkundengeschäft, das sehr viel stabiler und widerstandsfähiger sei, sagt Windhagen. Das globale Finanzvermögen wird von Experten auf 232 Bill. Dollar geschätzt. Die Verluste aus der Finanzkrise entsprächen nur einem Bruchteil und seien in ein bis zwei Jahren wieder wettgemacht. Das Investment-Banking steuere nur drei Prozent der weltweiten Bankerlöse bei, 76 Prozent dagegen das Geschäft mit dem Finanzvermögen der privaten Kunden.

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