Bundesbank-Chef Axel Weber fürchtet ein Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. Die Turbulenzen an den Märkten stellten einen "nennenswerten Risikofaktor für die globale Wirtschaftsentwicklung dar."
BERLIN. Bundesbank-Präsident Axel Weber hat vor einem Übergreifen der aktuellen Krise an den Finanz- und Kreditmärkten auf die Realwirtschaft gewarnt. "Es steht zu befürchten, dass die aktuellen Verwerfungen ebenso wie viele frühere Finanzmarktturbulenzen im Ergebnis zu einem sich gegenseitig verstärkenden, dynamischen Zusammenspiel von Realwirtschaft und Finanzsystem führen können", sagte Weber am Montag auf einer Veranstaltung des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) in Berlin.
Es zeichne sich bereits jetzt ab, dass es wegen der anhaltenden Vertrauenskrise im Bankensektor und an den Finanzmärkten nicht ausreichen werde, lediglich die Regeln für das Risikomanagement der Banken und außerdem die Transparenz der Finanzmärkte zu verbessern. Die gegenwärtigen Turbulenzen an den Märkten stellten einen "nennenswerten Risikofaktor für die globale Wirtschaftsentwicklung dar". Deshalb müssten, sobald alle Fakten auf dem Tisch lägen, umfassende Lehren aus der aktuellen Krise gezogen werden. Dabei könne während der Krise es nicht alleine Aufgabe der Zentralbank sein, Probleme der Geschäftsbanken und Kreditmärkte zu lösen.
Weber rechnet mit einem schwierigen Geschäftsjahr für die Banken. "Für das Jahr 2008 ist zu erwarten, dass das fortwährend schwierige Marktumfeld die künftige Profitabilität deutlich beeinträchtigen dürfte", sagte Weber auf einer mit Blick auf den Verlauf des ersten Quartals. Das Jahr 2008 dürfte daher für die Banken national wie international mit deutlichen Herausforderungen und teils "schmerzhaften Anpassungen" verbunden sein. Es sei Aufgabe und Pflicht der einzelnen Banken, sich auf nachhaltige und robuste Geschäftsmodelle zu konzentrieren, hieß es mit einem Seitenhieb auf die Landesbanken.
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Auf derselben Veranstaltung setzt sich BdB -Präsident
Klaus-Peter Müller, in Personalunion Vorstandssprecher der Commerzbank,
für eine Abmilderung der neuen internationalen Bilanzierungsregeln aus. Das neue Regelwerk hat nach Auffassung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) das Potenzial, die Finanzmarktkrise weiter zu verschärfen. Daher setzt sich der BdB dafür ein, auf internationaler Ebene eine Aussetzung der täglichen Marktbewertung rückwirkend zum 1. Januar 2008 in Krisenzeiten zu erlauben. "Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass die Mark-to-Market-Bewertung die Talfahrt der Kurse vor allem bei nicht mehr fungiblen Papieren weiter beschleunigt hat", sagte Müller.
Nach dem neuen Bilanzstandard IFRS sind die Banken verpflichtet, viele Vermögenswerte nach den aktuellen Marktkursen zu bewerten (Mark-to-Market), um den so genannt "Fair Value", also den Zeitwert, zu ermitteln. In der aktuellen Gemengelage besteht die Gefahr, dass sich daraus eine Abwärtsspirale entwickelt, weil angesichts nicht mehr funktionierender Märkte die Abschreibungen auf die gehaltenen Wertpapierportfolios zunehmen.
Nach der Marktbewertungsvorschrift müssen Verluste verbucht werden, selbst wenn die Vermögenswerte zu dem aktuellen Marktpreis gar nicht verkauft werden sollen. Das für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank -Vorstandsmitglied Franz-Christoph Zeitler hatte bereits gegenüber dem Handelsblatt bemängelt, dass der Fair-Value-Ansatz prozyklisch wirke, also in diesem Fall die Krise verstärke.

