Wegen Zinswetten: Britischen Banken droht Klagewelle in Milliardenhöhe

Wegen Zinswetten
Britischen Banken droht Klagewelle in Milliardenhöhe

Die britische Finanzaufsicht hat den Weg für Klagen wegen komplexer Zinswetten gegen Großbanken eröffnet. Die Behörde hat festgestellt, dass in mehr als 90 Prozent der Fälle Gesetzesverstöße vorlägen.
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LondonDer Verkauf komplexer Zinswetten an Mittelständler könnte die britischen Großbanken teuer zu stehen kommen. Die Finanzaufsicht FSA kam in einer Stichprobe zu dem Schluss, dass die Institute in mehr als 90 Prozent der untersuchten 173 Fälle zumindest in einem Punkt gegen die Vorschriften verstoßen hatten. Die FSA erklärte am Donnerstag, das werde in einem Großteil der Fälle dazu führen, dass die Banken Schadenersatz an ihre Kunden zahlen müssten. Sie müssen nun mit einer Klagewelle rechnen. Derivate-Experten halten Schadenersatzforderungen von mehreren Milliarden Pfund für möglich.

Die FSA kündigte an, die Falschberatungen nun flächendeckend untersuchen zu wollen. Auch die betroffenen Banken Barclays, HSBC, Lloyds, RBS und Santander begännen nun mit eigenen Nachforschungen und gingen von selbst auf die Kunden zu.

Die Banken hatten die Zinsswaps an kleine und mittlere Unternehmen verkauft, die sich gegen Zinsschwankungen absichern wollten. Weil sich die Marktzinsen aber nicht entwickelten wie erwartet, blieben die Mittelständler auf hohen Verlusten sitzen. Auch für ihren Ausstieg aus den kostspieligen Geschäften hielten die Banken noch einmal die Hand auf.

In Deutschland und Italien hatten Banken solche riskanten Zinsprodukte ebenfalls an Kommunen und Firmen verkauft, bei denen letztlich die Bank gegen ihre Kunden wettete. Die Deutsche Bank war vom Bundesgerichtshof (BGH) zu Schadenersatz an einen Mittelständler verurteilt worden. Seither haben sie und viele andere Banken Vergleiche mit den Betroffenen geschlossen, um Niederlagen vor Gericht zu vermeiden. In Mailand wurden die Deutsche Bank und drei andere Institute wegen schweren Betrugs verurteilt. Hunderte Kommunen stehen dort wegen der Geschäfte vor Milliardenverlusten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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