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27.06.2005 
Man-Group-Chef kritisiert Vorgehen bei der Deutschen Börse

Weltgrößter Hedge-Fonds attackiert TCI

von Felix Schönauer

Der Hedge-Fonds TCI gerät wegen seines Vorgehens bei der Deutschen Börse in die Kritik aus dem eigenen Lager. „Es fördert nicht gerade den Verkauf von Hedge-Fonds-Produkten, wenn ein kleiner Fonds wie TCI den großen, bösen Jungen markiert“, sagte Stanley Fink, Chef des Hedge-Fonds Man Group plc., dem Handelsblatt in London.

LONDON. LONDON. TCI-Chef Chris Hohn hatte den Widerstand gegen die Pläne der Deutschen Börse organisiert, die London Stock Exchange (LSE) zu übernehmen. Die Börse musste ihr Vorhaben unter dem Druck der von dem spekulativen Fonds mobilisierten Aktionäre aufgeben. Chef Werner Seifert zog sich nach massiver Kritik aus seinem Amt zurück. Auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer wird sein Mandat in wenigen Monaten zur Verfügung stellen.

Zwar konnte ein Sprecher des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) keine Auswirkungen auf die Verkäufe durch den Fall Deutsche Börse erkennen. Doch Andreas Benz zufolge, der für das deutsche Geschäft von Man Investments zuständig ist, äußern sich gerade Vorstände von institutionellen Investoren kritischer beim Verkauf von Fondsprodukten: „Sie fragen sich: Investiere ich jetzt in die Leute, die später möglicherweise meine Gegner werden?“ Die größten Bedenken hat er bei potenziellen Kunden festgestellt, die zum ersten Mal in Hedge-Fonds-Produkte investieren.

Die Man Group ist der weltweit größte börsennotierte Hedge-Fonds und äußerst einflussreich. Das Unternehmen verwaltete 2004 ein Vermögen von 43 Mrd. Dollar ( 35 Mrd. Euro). Die Gruppe verkaufte 2004 Fonds-Anteile für mehr als zwölf Mrd. Dollar, der Gewinn vor Steuern betrug 880 Mill. Dollar. Man-Group-Chef Fink sprach sich dagegen aus, Aktionärs-Aktivismus für kurzfristig orientierte Hedge-Fonds grundsätzlich zu unterbinden. Er wunderte sich jedoch auch darüber, dass ein Hedge-Fonds so viel Leidenschaft für ein Investment aufbringt. „Wenn mir als kurzfristigem Investor das Management nicht gefällt, verkaufe ich einfach die Aktie und gehe zum nächsten.“ Zwar spreche auch er ab und zu mit dem Management. Er plädiere jedoch dafür, dies im Verborgenen zu tun.

Gerade das war im Fall Deutsche Börse extrem schwierig, wie TCI und andere Aktionäre stets gesagt haben. Ex-Vorstand Werner Seifert steigerte zwar den Unternehmenswert und die Reputation seines Instituts im Laufe seiner Amtszeit. Er neigte jedoch dazu, Bedenken von Aktionären zumindest nicht unkommentiert hinzunehmen. In der City heißt es, er habe seinen Gesprächspartnern oft zu verstehen gegeben, dass er den richtigen Weg schon wisse. Auch diese Haltung gilt als Grund dafür, dass TCI mit seiner kritischen Haltung die Unterstützung desillusionierter Aktionäre erhielt.

Über die von der britischen Finanzaufsicht FSA am Donnerstag gestartete Initiative, möglicherweise bald stärker auf die Aktivitäten einiger Hedge-Fonds zu schauen, wollte Fink sich noch nicht äußern. Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass die Aufsicht mit ihren Plänen nicht über das Ziel hinausschießt: „Sensible Regulierung ist gut für das Geschäft.“ Dies verhindere, dass „einige Cowboys“ den Ruf der Branche unterminieren.

Die FSA hat zu ihrem Vorstoß ein Diskussionspapier veröffentlicht, in dem sie schärfere Pflichten zur Offenlegung der Fonds prüft und potenzielle Marktmanipulation unterbinden will. Die Aufsicht erkennt die Fonds zwar als wichtige Säule des Finanzsystems an. Sie fürchtet jedoch auf Grund zum Teil gravierender Verluste in den ersten Monaten des Jahres den Zusammenbruch einiger Fonds und daraus folgende Kettenreaktionen. In der vergangenen Woche hatte mit Bailey Coates bereits der dritte Hedge-Fonds innerhalb kurzer Zeit geschlossen.

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