Mit mehr als 50 Mrd. Dollar soll die staatliche Wneschekonombank, das russische Pendant zur KfW, zu dem wohl wichtigsten Rettungsboot der russischen Regierung werden. Darüber, ob ihr das gelingt, bestehen aber auch Zweifel. Im Handelsblatt-Interview spricht VEB-Chef Wladimir Dmitrijew über die Ziele seiner Bank.
Handelsblatt: Seit Wochen fallen die russischen Börsen von einem Tiefstand zum nächsten. Was ist der Grund?
Wladimir Dmitrijew: Was derzeit passiert, hat nichts mit fundamentalen Daten, sondern eher mit Psychologie zu tun. Natürlich spielen eine Reihe von Faktoren mit hinein: Die Nervosität vor dem Rettungspaket in den USA, dann die schlechten Nachrichten aus Europa. Das Marktumfeld und die Risiken sind aber bekannt und die Bewertung von Aktien sollte dies eigentlich schon einbeziehen. Hinter den heftigen Kursbewegungen vor allem hier in Russland können daher nur psychologische Faktoren stehen.
Hat es sie überrascht, dass die Krise die russischen Märkte so hart trifft?
Ich war überrascht, aber vor allem über die enormen Kursschwankungen. Die volkswirtschaftlichen Rahmendaten sind in Russland eigentlich stärker als in anderen Ländern. Nehmen sie nur die Mittel, die sich in unseren staatlichen Fonds angesammelt haben, den Haushaltsüberschuss. Wir sind sicherlich ein Teil der Weltwirtschaft und hängen von Investoren ab. Ich muss aber feststellen: die strategischen sind noch hier, die Spekulanten sind gegangen.
Die VEB sollte ursprünglich vor allem langfristige Infrastrukturprojekte fördern. Jetzt muss sie kranke Banken managen und Unternehmen retten.
Es ist in der Tat eine große Herausforderung für uns. Doch wenn es uns nicht gäbe, müsste man uns erfinden. Wir werden jetzt aber keine völlig andere Rolle spielen, als vorgesehen. Nur werden wir nicht ausschließlich die Entwicklung von Infrastruktur wie Straßen oder Flughäfen steuern, sondern auch die des Finanzsektors und der ist ja schließlich so etwas wie der Blutkreislauf der Wirtschaft.
Früher sind vor allem die großen Staatsbanken wie die Sberbank und die VTB eingesprungen, wenn es Probleme im Finanzsektor gab. Geht das jetzt nicht mehr, weil sie an der Börsen notiert sind?
Genau: Während der Krise in 2004 hat die VTB ja eine private Bank, die Gutabank, übernommen. Aber heute muss sie viel mehr auf die Verpflichtungen schauen, die sie aufgrund ihrer Börsennotierung hat. Deshalb hat sie sich auch bei der Swjaz Bank zurück gezogen, als fest stand, dass der Finanzierungsbedarf so hoch war, dass dies große Auswirkungen auf die Bilanz gehabt hätte. Daher sind wir eingestiegen - allerdings nicht ganz umsonst. Unser Kapital wird nun um 75 Mrd. Rubel erhöht.
Warum musste der Staat ausgerechnet die Swjazbank retten?
Die Regierung und die Zentralbank haben grundsätzlich die große Bedeutung der Bank gesehen: Über 13 Millionen Rentner erhalten ihr Geld über sie. Rund 400 000 Angestellte der russischen Post beziehen ihr Gehalt über die Swjazbank. Viele große Konzerne sind Kunden. Die Bank musste gerettet werden.

