Die Bundesbank will zusammen mit den Notenbanken Frankreichs und Italiens eine gemeinsame Plattform für die Wertpapierenabwicklung bauen. Die Entscheidung darüber soll so schnell wie möglich fallen. Seitens der Banken und Abwickler gibt es aber noch eine Menge Fragezeichen.
FRANKFURT. Die Bundesbank drängt auf die Realisierung des einheitlichen europäischen Abwicklungssystems für Wertpapiere, das unter dem Stichwort „Target 2 Securities“ (T2S) geführt wird. Hans Georg Fabritius, der bei der Bundesbank für den Zahlungsverkehr zuständig ist, hat gestern zudem das Interesse der Bundesbank bekundet, gemeinsam mit der französischen und der italienischen Notenbank die dafür erforderliche technische Plattform zu bauen und zu betreiben. Die Entscheidung über die Realisierung sollte so früh wie möglich fallen, sagte Fabritius bei einer Konferenz in Frankfurt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Sommer angekündigt, sie erwäge ein einheitliches Abwicklungssystem für Wertpapiere, um den im Euro-Raum nach wie vor stark fragmentierten Wertpapiermarkt effizienter und sicherer zu machen. Zur Zeit bereitet die EZB eine Machbarkeitsstudie vor, die bis Februar 2007 vorliegen soll. Auf der Grundlage der Ergebnisse könnte der EZB-Rat den Startschuss für das Projekt liefern. Offen ist, ob der Rat vor oder nach der formellen Marktkonsultation entscheiden will, die der Machbarkeitsstudie folgen soll.
Für Fabritius sind die Bundesbank, die Banque de France und die Banca d’Italia für Konzeption und Betrieb von T2S prädestiniert. Die drei Notenbanken entwerfen gerade die technische Plattform für das geplante Großzahlungssystem für den Euro-Raum, Target 2, das am 17. November 2007 starten soll. Sie werden Target 2 auch betreiben. Es mache ökonomisch keinen Sinn neben die Abwicklungsplattform für Zahlungen eine zweite für Wertpapiere zu setzen, erläuterte Fabritius. Die Betreiber von Target 2 hätten eindeutig Synergievorteile. Jede andere Lösung erschwere nur das Liquiditätsmanagement.
Da bisher sehr wenig Konkretes über T2S bekannt ist, gibt es seitens der Banken und Abwickler in erster Linie Fragen. Hermann-Josef Lamberti, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank, begrüßte, dass die Ineffizienzen im europäischen Clearing und Settlement in Angriff genommen werden, warnte aber vor Schnellschüssen. Da T2S nur für in Euro denominierte Wertpapiere gedacht sei, könnte die Kluft zwischen Euro- und Nicht-Euro-Ländern noch größer werden.
Lamberti regte an, auch über eine privatwirtschaftliche Alternative zu einer Abwicklung durch die Zentralbanken nachzudenken. Diese Möglichkeit lehnen die Notenbanken indessen ab. Wie bei Sepa gehe es um eine Lösung, die grenzüberschreitende Transaktionen ebenso günstig mache wie nationale, sagte Gertrude Tumpel-Gugerell, die im EZB-Direktorium für den Zahlungsverkehr verantwortlich zeichnet, dem Handelsblatt. „Das können Private nicht leisten."

