Der Vorstandsvorsitzende der angeschlagenen WestLB, Heinz Hilgert, fordert "nachhaltige Veränderungen" im öffentlich-rechtlichen Bankensektor in Deutschland. Im Interview sagte er: „Der Veränderungsbedarf ist jetzt da, und das ist wichtig und richtig. Jetzt können Lösungen entwickelt werden, die immer diskutiert wurden, aber in der Umsetzung so schwierig waren.“
Handelsblatt: Herr Hilgert, die Finanzkrise hat die Banken fest im Griff. Täuscht der Eindruck, dass öffentlich-rechtliche Institute besonders betroffen sind?
Hilgert: Ja, er täuscht.. Ich denke, dass die privaten Banken – insbesondere die amerikanischen – hier eine besondere Last zu tragen haben. Sehen Sie sich nur die Abschreibungen der Investmentbanken an oder die Lage der Hypothekenfinanzierer. Fannie Mae und Freddie Mac. Diese Institute haben massive operative Probleme und werden verstaatlicht. Da ist auch ein markanter Unterschied zu Europa. Während bei uns – auch auf Drängen der EU-Kommission – ein Trend zu Privatisierungen öffentlich-rechtlichen Banken zu erkennen ist, verstaatlichen die Amerikaner ganz dogmenfrei ihre Banken.
Wo stehen wir denn in der Finanzkrise? Einige Experten sehen den Anfang vom Ende, andererseits reißen die Hiobsbotschaften aus den USA nicht ab.
Der Anfang vom Ende scheint sich auf jeden Fall hinzuziehen. Die Zweit- und Drittrundeneffekte erfassen jetzt neue Bereiche der Finanzindustrie, diese Entwicklung ist viel umfassender, als noch vor sechs Monaten angenommen worden war.
Sie bleiben also in Sorge?
Aber natürlich, das muss uns alle besorgen, zumal der Verfall der Asset-Preise weiter geht, vor allem im Immobiliensektor. Denken Sie nur an Spanien. Deutliche Zeichen einer Entspannung in der Finanzmarktkrise kann ich noch nicht sehen.
Wird es nun für die Unternehmen und die Privatwirtschaft schwieriger werden, an neue Kredite zu kommen, werden die Darlehen teurer?
Die Kreditverfügbarkeit wird nicht das wirkliche Problem. Kredit für sinnvolle Projekte ist unverändert da. Die Konditionen verändern sich aber in der Tat. Das liegt auch daran, dass Kredit vor der Finanzkrise nicht risikoadäquat und damit nicht angemessen bepreist worden ist. Das war – auch international – für die Banken nicht auskömmlich. Das bildet sich jetzt schnell und nachhaltig zurück. Das ist eine sinnvolle Korrektur. Und: die Refinanzierung für die Banken wird ja auch neu justiert. Der Einkauf von Geld ist signifikant teurer geworden, deshalb wird auch der Verkauf teuerer.
Gilt das auch für den Preiskampf um die solventen Mittelständler?
Nein, das sehe ich nicht. Der Wettbewerb um hochwertiges Kreditgeschäft mit guten Risiken nimmt zu. Dabei müssen nicht unbedingt die Margen sinken, es findet auch ein Ideenwettbewerb statt, um die Kundenbeziehungen dauerhaft zu halten. In der Vergangenheit stand der Preis zu sehr im Vordergrund.

