Im vergangenen Jahr hat die angeschlagene WestLB einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Demgegenüber steht im Vorjahr ein Plus von 799 Millionen Euro. Damit nicht genug: Die Bank mit ihrem neuen Chef Heinz Hilgert an der Spitze rechnet mit weiteren Ergebnisbelastungen aus ihrer Restrukturierung.
HB DÜSSELDORF. Bis 2010 will die Landesbank mit ihrem neuen Chef Heinz Hilgert an der Spitze aber eine zweistellige Eigenkapitalrendite erzielen. „Die Unsicherheiten am Kapitalmarkt halten an, und der Margen- und Wettbewerbsdruck ist ungebrochen“, sagte Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus bei der Bilanzvorlage am Mittwoch in Düsseldorf. „Durch die unvermeidlichen Restrukturierungsmaßnahmen werden weitere Ergebnisbelastungen im laufenden Geschäftsjahr entstehen (...).“ Die Bank will 1 350 Stellen bis im Jahr 2010 streichen, um Kosten zu sparen.
Der scheidende Vorstandsvorsitzende der WestLB, Alexander Stuhlmann, rechnet für 2008 mit einem rentablen Geschäftsverlauf. Aus heutiger Sicht seien keine Umstände bekannt, die für eine „rote Zahl“ sprächen, sagte er. Eine Festlegung sei beim Ausblick jedoch nicht möglich, da die anhaltende Finanzmarktkrise auch Auswirkungen auf das operative Geschäft habe.
Die WestLB sei durch die Finanzmarktkrise in die „wohl schwierigste Lage ihrer Geschichte“ geraten, räumte Stuhlmann ein. Im vergangenen Jahr hatten die Finanzmarktkrise und Pannen im Eigenhandel die WestLB tief in die Verlustzone gerissen. Das Handelsergebnis brach 2007 wie erwartet um über zwei Mrd. Euro auf einen Verlust von 1,6 Mrd. Euro ein, teilte die Bank mit. Vor Steuern lief ein Verlust von 1,5 Mrd. Euro auf, unter dem Strich waren es 1,6 Mrd. Euro.
Um die Bilanz zu entlasten, gliederte die WestLB riskante Investments in einer Höhe von rund 23 Mrd. Euro aus. Das Land Nordrhein-Westfalen und die anderen Eigner bürgen zugleich mit bis zu fünf Mrd. Euro für die risikoreichen Papiere. Belastungen im Jahresabschluss würden dazu nahezu vollständig ausgeglichen. Eine Kapitaleinlage der Eigentümer werde nicht erforderlich. Die Kernkapitalquote werde durch die Garantien voraussichtlich wieder auf über sieben Prozent steigen, teilte die Bank weiter mit. Die Garantien ermöglichten es der WestLB nun wieder, sich „auf ihre Zukunft zu konzentrieren und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Stuhlmann.
Dem neuen WestLB-Chef Hilgert, der im Mai das Ruder übernehmen soll, stehen nun weiter stürmische Zeiten bevor. Denn die WestLB baut Personal ab sucht ein neues Geschäftsmodell. Mehrere Fusionsvorhaben waren in den vergangenen Monaten gescheitert. Hilgert hatte die DZ Bank im Oktober 2007 verlassen, wenige Monate nachdem er zum stellvertretenden Vorstandschef des genossenschaftlichen Instituts ernannt worden war. Bankkreisen zufolge waren Meinungsverschiedenheiten der Grund.
Stuhlmann war im Sommer 2007 zur WestLB geholt worden und sollte die Bank in eine von den Sparkassen favorisierte Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg zu führen. Diese war am Widerstand des Landes Nordrhein-Westfalen gescheitert. Die Hoffnung auf Fusionen gibt die WestLB aber nicht auf: „Wir gehen nunmehr mit aller Kraft die notwendige Restrukturierung der Bank an“, erklärte Stuhlmann. Die WestLB wolle damit „ihren Beitrag bei der Konsolidierung im Landesbankensektor leisten“.

