Die Vorbereitungen zur Fusion der genossenschaftlichen Spitzeninstitute kommen in Fahrt: DZ Bank und WGZ Bank werden nach Informationen des Handelsblatts Ende Juli Gespräche über eine Fusion aufnehmen. Bis Jahresende soll ein Konzept stehen. Doch mancherorts gibt es noch Skepsis.
Der Vorsitzende des Vorstandes der WGZ Bank, Werner Böhnke, will bereits Ende Juli mit dem DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch Fusionsgespräche aufnehmen. Foto: dpa
FRANKFURT. Schon Ende Juli wollen sich DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch und WGZ-Bank-Chef Werner Böhnke zu ersten Gesprächen treffen. Das erfuhr das Handelsblatt aus mit der Situation vertrauten Kreisen.
Bereits in den vergangenen Tagen soll Kirsch mit Arbeitnehmervertretern seines eigenen Instituts über mögliche Folgen einer Fusion diskutiert haben. Insidern befürchten, dass bei einem Zusammenschluss beider Banken insgesamt rund 600 Jobs zur Disposition stünden. „In der DZ gibt es schon lange Überlegungen, die Standorte Hannover, München und Stuttgart zu bloßen Geschäftsstellen umzuwandeln. Das ließe sich im Zuge einer Fusion gleich mit einbeziehen“, so ein Insider. Zumal die Verhandlungsmacht der kleineren WGZ als stärker eingestuft wird als noch bei den letzten Gesprächen Ende 2006. Denn obwohl auch die WGZ in der Finanzkrise Federn lassen musste, erzielte sie 2007 ein Rekordergebnis.
Die DZ Bank hingegen hatte im vergangenen Jahr durch die Finanzkrise bereits Wertberichtigungen von knapp 1,4 Mrd. Euro hinnehmen müssen. In den ersten vier Monaten 2008 führte die Finanzkrise bei der Bank zu erneuten Belastungen. Der Gewinn vor Steuern sank in der Gruppe auf 44 Mill. Euro, in der AG allein fiel ein Verlust von fast 400 Mill. Euro an. Grund waren neue Wertberichtigungen auf forderungsbesicherte Schuldverschreibungen (Asset Backed Securities), die im Zuge der Krise erhebliche Wertverluste erlitten hatten. Allerdings will das Institut die Verluste bis Jahresende wettgemacht haben und den Vorjahresgewinn von rund 150 Mill. Euro übertreffen. Bereits Ende Mai beliefen sich die Verluste aufgrund einer verbesserten Marktlage nur noch auf 100 Mill. Euro.
Fraglich ist derzeit noch, ob die DZ Bank einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden ernennen wird. Der bisherige Amtsinhaber Christopher Pleister, noch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), verlässt zum 15. Juli den BVR. Traditionell ist der BVR-Präsident gleichzeitig Aufsichtsratschef der DZ Bank. Ein Nachrücken des derzeitigen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden kommt aber wohl nicht in Frage, denn das wäre Wolfgang Apitzsch, und der sitzt als Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium.
Außerdem gilt es im Verbund als sehr wahrscheinlich, dass WGZ-Chef Böhnke den Vorsitz im Aufsichtsrats der dann immerhin drittgrößten Bank in Deutschland übernimmt.
Nach Informationen von Insidern wollen DZ-Chef Kirsch und WGZ-Chef Böhnke bis Jahresende Klarheit über die Modalitäten haben, dann ginge es nur noch um die Feinabstimmung. Bei den Hauptversammlungen ihrer jeweiligen Institute am 20. Mai (DZ) und am 23. Juni (WGZ) sollen dann die Volks- und Raiffeisenbanken, die die Mehrheit an den Spitzeninstituten halten, über den Zusammenschluss abstimmen.
Auch wenn viele Ortsbanker für eine Fusion sind, gibt es mancherorten doch Skepsis: „Eine Zustimmung nur mit Rücksicht auf die Köpfe bestimmter Herren wird es bestimmt nicht geben“, prophezeit ein Bankvorstand aus Nordrhein-Westfalen. Und ein weiterer aus dem Süden ist skeptisch: „Fraglich, ob von den versprochenen Synergieeffekten in Höhe von rund 100 Mill. Euro überhaupt etwas bei uns ankommt.“ Kirsch jedenfalls ficht das nicht an. Stolz verkündete er in der vergangenen Woche auf einer Veranstaltung im Süden der Republik: „Die Fusion wird jetzt kommen.“

