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18.03.2008 
Unzufriedene Aktionäre

Widerstand gegen Bear-Stearns-Notverkauf

Unter den Großaktionären der angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns regt sich Widerstand gegen den extrem niedrigen Preis beim Notverkauf an den Konkurrenten JP Morgan. Für den Schritt ist noch die Zustimmung der Aktionäre erforderlich. Unterdessen kursieren Spekulationen über einen massiven Stellenabbau bei Bear Stearns.

Die New Yorker Zentrale von Bear Stearns dürfte mehr als eine Milliarde Dollar wert sein. Foto: apLupe

Die New Yorker Zentrale von Bear Stearns dürfte mehr als eine Milliarde Dollar wert sein. Foto: ap

HB NEW YORK. Unter anderem der Milliardär Joseph Lewis, der 9,4 Prozent an Bear Stearns hält, lehne den Preis von weniger als 300 Mill. Dollar als zu niedrig ab, berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag. Auch viele Bear-Sterns-Beschäftigte, die zusammen 30 Prozent der Anteile haben, drohten, gegen das Geschäft zu stimmen.

Es sieht zwar so aus, als wäre die Insolvenz die einzige Alternative zu dem Kauf durch JP Morgan. Allerdings gehen einige Anteilseigner davon aus, dass sie selbst bei einer Liquidation der Bank besser weggkommen könnten: Allein das New Yorker Hauptquartier von Bear Stearns dürfte mehr als eine Milliarde Dollar wert sein.

Bear Stearns selbst hatte noch am vergangenen Freitag etwa 80 Dollar je Aktie als fairen Preis angesehen. JP Morgan würde den Konkurrenten verglichen damit zum absoluten Schnäppchenpreis bekommen: Die Übernahme über einen Aktientausch entspräche zum Kurs vom Freitag nur einem Angebot von zwei Dollar je Aktie oder insgesamt 236 Mill. Dollar. Die Aktie von JP Morgan stieg am Montag um gut zehn Prozent und das Volumen des Geschäfts entsprechend auch. Es liegt damit aber immer noch um Welten unter dem Börsenwert von 3,5 Mrd. am vergangenen Freitag.

Die Aktie von Bear Stearns stürzte am Montag zwar um mehr als 84 Prozent ab. Sie schloss aber trotzdem bei rund 4,80 Dollar deutlich über der Bewertung des Notverkaufs.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Sammelklage gegen Bear Stearns

Auch andere große Investoren hätten ihre Unzufriedenheit mit dem Deal signalisiert, berichtete das "Wall Street Journal" weiter. JP Morgan rechne fest mit Klagen unzufriedener Aktionäre. Für Prozesse seien bereits sechs Mrd. Dollar zurückgestellt.

Schon jetzt steht der Bank eine Sammelklage wegen angeblicher Verstöße gegen das Wertpapiergesetz bevor. Bear Stearns wird in einer am Montag eingereichten Klageschrift vorgeworfen, falsche und irreführende Angaben zu geschäftlichen und finanziellen Ergebnissen gemacht zu haben. Dies habe dazu geführt, dass Aktien von Bear Stearns zu einem künstlich aufgeblähten Preis gehandelt worden seien und im April 2007 ein Kurshoch von 159,36 Dollar erreichten.

Die Klage wurde von der Kanzlei Coughlin Stoia Geller Rudman & Robbins LLP bei einem New Yorker Bezirksgericht eingereicht. Die Kanzlei vertritt Klienten, die zwischen dem 14. Dezember 2006 und dem 14. März 2008 Bear-Stearns-Aktien kauften. Ein Vertreter der Bank war für eine Stellungnahme nicht unmittelbar zu erreichen.

Wie genau sich das Geschäft von Bear Stearns in den vergangenen Monaten entwickelte, bleibt unterdessen weiter unklar: Die für Montagabend angekündigte vorgezogene Vorlage von Zahlen für das erste Geschäftsquartal sagte Bear Stearns unter Hinweis auf die Verkaufspläne wieder ab.

JP Morgan will einem Medienbericht zufolge nach einer Übernahme rund 7 000 Stellen bei Bear Stearns streichen. Dies sei etwa die Hälfte der Arbeitsplätze bei dem Rivalen, berichtete der Fernsehsender CNBC am Montag unter Berufung auf nicht namentlich genannte Kreise. JP Morgan erklärte dazu, dies sei "eine herbeigeholte Zahl". Weiter wollte sich eine Sprecherin nicht äußern. Mit den Plänen vertraute Personen sagten, JP Morgan habe erst damit begonnen, Bear Stearns zu durchleuchten. Noch sei unklar, ob und wieviel Arbeitsplätze gestrichen würden.

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