Die von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogenen Banken versuchen mit allen Mitteln ihre Bilanzen zumindest optisch von Risiken zu befreien. Dass dabei am Ende mögliche Belastungen dennoch in der Bilanz stecken, führt inzwischen zu harscher Kritik bei Ökonomen und Analysten.
Merrill Lynch hat ein ehemals gut 30 Mrd. Dollar schweres Kreditpaket aus der Bilanz eliminiert. Foto: ap
NEW YORK / FRANKFURT. Die Deutsche Bank
hat beispielsweise im vergangenen Quartal so genannte Leverage Loans, also Kredite für Übernahmefinanzierungen, in Höhe von 7,2 Mrd. Euro an Finanzinvestoren wie Blackstone
verkauft. Zu den genauen Konditionen macht die Bank keine Angaben. Allerdings dementiert sie auch nicht, dass sie den Käufern einen Kredit gewährt hat, damit diese den Erwerb teilweise finanzieren können. "Das Risiko liegt damit aber beim Käufer der Kredite", heißt es von Seiten der Bank, die auch darauf verweist, dass die Abschreibungen bei Leverage Loans im zweiten Quartal gering ausgefallen sind. Das Risiko allerdings, dass der Käufer seinen Kredit bei Bank nicht finanzieren kann, bleibt bestehen.
Mit dieser Art der Bilanzierung steht die Deutsche Bank
nicht allein. Auf ähnliche Weise hatte Ende Juli auch Merrill Lynch
ein ehemals gut 30 Mrd. Dollar schweres Kreditpaket aus der Bilanz eliminiert und mit der Abgabe an Investoren die Finanzmärkte beruhigt. Aktien von Merrill Lynch
haben in der Woche nach Bekanntwerden des Verkaufs der CDO?s an Lone Star Funds um rund 17 Prozent zugelegt, obwohl die Wall-Street-Bank die Transaktion zu 75 Prozent selbst finanzierte und dem Käufer ein fünf Mrd. Dollar schweres Darlehen gab.
Bei der Schweizer Großbank UBS
, die heute ihre Halbjahreszahlen vorlegen wird, war es zuvor ähnlich gelaufen: Ein Fonds des Vermögensverwalters Blackrock übernahm ein UBS
-Hypothekenportfolio für 15 Mrd. Dollar, doch die Schweizer Großbank finanzierte die Transaktion über einen Kredit in Höhe von 11,25 Mrd. Dollar weitgehend selbst. Blackrock übernimmt nur Verluste bis zu 3,75 Mrd. Dollar aus dem Kreditpaket, mit dem Rest steht die UBS
im Feuer. Die UBS
hat also lediglich das Risiko eines Wertverlusts der Subprime-Papiere mit dem etwas geringeren Kreditausfallrisiko vertauscht.
Die Vorgehensweise der Banken stößt auf wachsende Kritik dies- und jenseits der Wall Street. "Wertlosen Müll" abzustoßen und dafür eine Finanzierung bereitzustellen sei kein Verkauf, sondern "Bilanzbetrug", nur um das ganze Ausmaß der Verluste zu verstecken, schreibt der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini in seinem Blog "RGE Monitor". Der frühere Berater der Clinton-Regierung fordert die Banken auf, den Wert dieser Assets konsequent Richtung null abzuschreiben - inklusive der Möglichkeit späterer Zuschreibungen, falls die Kreditbündel beim Verkauf doch noch Wert generieren sollten. Roubini warnt davor, dass die Banken mit den jüngsten Finanzierungen nur ihre Kreditrisiken erhöhten in einer Zeit, "in der sie sich entschulden und nicht weiter verschulden" sollten.

