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22.08.2006 
Eigenhandel der Banken

Wie ein Hedge-Fonds spielen

von Rolf Benders und Michael Maisch

Der Wertpapierhandel und insbesondere der Eigenhandel sind in den vergangenen Jahren für Banken immer wichtiger geworden. Doch wenn die Zeiten an den Börsen turbulenter werden, liegen auch die hoch bezahlten Eigenhandelsspezialisten schnell einmal falsch - mit schmerzhaften Folgen für die Bilanz. Das bekam auch die Deutsche Bank zu spüren.

Handelssaal der Deutschen Bank in Frankfurt: Wer auf Risiko der Bank kauft und verkauft, steht ganz oben in der Hackordnung. Foto: dpa

Handelssaal der Deutschen Bank in Frankfurt: Wer auf Risiko der Bank kauft und verkauft, steht ganz oben in der Hackordnung. Foto: dpa

FRANKFURT / LONDON. Der Handelssaal einer durchschnittlichen Investmentbank wirkt wie ein Muster an Demokratie - Reihe um Reihe uniformer Tische, an jedem Arbeitsplatz zwei bis vier Computerbildschirme, dazu ein paar Telefone. Doch hinter dem Bild, das so viel Individualität ausstrahlt wie eine Legebatterie, verbirgt sich eine subtile Hackordnung.

Die Basis der Pyramide bilden die Execution-Händler, deren Aufgabe vor allem darin besteht, Aufträge der Kundschaft in die Handelssysteme einzugeben. Dann kommen die Sales-Händler, deren Job es ist, Großanleger für Investmentideen zu begeistern. An der Spitze stehen aber, zumindest nach selbstbewusster Selbsteinschätzung, die Trader, die das Geld ihres Arbeitgebers riskieren - Eigenhändler, oder im altmodischen Bankendeutsch "Nostrohändler".

"Wir hacken nicht nur stupide Orders ins System. Eigentlich sind wir eher Investmentbanker, mit einem Gefühl für Märkte, Intuition und feinem Gehör für Gerüchte", so charakterisiert sich ein Exemplar der Spezies selbst. Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Der Wertpapierhandel und speziell der Eigenhandel hat in den vergangenen Jahren für die Banken enorm an Bedeutung gewonnen. Die Sache hat nur einen Haken: Wenn die Zeiten an den Börsen turbulenter werden, liegen auch die hoch bezahlten Eigenhandelsspezialisten schnell einmal falsch - mit schmerzhaften Folgen für die Bilanz.

Den letzten Diskussionsbeitrag zum Thema Eigenhandel hat die Deutsche Bank geliefert. Als die Kurse an den Kapitalmärkten im Mai und Juni plötzlich anfingen verrückt zu spielen, wurden die Eigenhändler des deutschen Branchenprimus auf dem falschen Fuß erwischt und verloren 200 Millionen Euro. Skeptiker warnen, dass sich solche Verluste in den kommenden Monaten häufen könnten, wenn die Bedingungen an den Kapitalmärkten unberechenbarer werden.

Solche Warnungen sind allerdings alles andere als neu. Als die Investmentbanken nach der Jahrtausendwende bemerkten, dass der Technologieboom ein für alle Mal vorbei war und sich mit Übernahmen und Börsengängen nicht mehr viel verdienen ließ, mussten sich die Geldhäuser nach neuen Einnahmequellen umschauen. Der Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung und eigenes Risiko war eines der neuen Wachstumsfelder.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Insitute mit dem Risiko spielen.

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