Paradebeispiel ist Goldman Sachs. Unter der achtjährigen Führung von Hank Paulson entwickelte sich Goldman zur Wall-Street-Bank mit dem aggressivsten Eigenhandel. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres stieg der VAR auf den Rekordwert von 112 Mill. Dollar. Zum Vergleich: 2004 lag das Maß für den maximalen Tagesverlust noch bei 70 Mill. Dollar - und diese Zahl war bereits fast drei Mal so hoch wie 1999.
Unter dem neuen Chef LLoyd Blankfein dürfte sich an der Strategie kaum etwas ändern. Schließlich war es Blankfein, der die Handelssparte von Goldman zur profitabelsten an der Wall Street gemacht hat. Im vergangenen Jahr steuerte das Handelsgeschäft 66 Prozent zu den Gesamteinnahmen von 24,8 Mrd. Dollar bei. Angesichts der Risiko-zahlen von Goldman zeigt sich auch, dass die Deutsche Bank
das Augenmaß nicht verloren hat. Der VAR lag von März bis Juni bei durchschnittlich 68 Millionen. Euro und damit im Rahmen der vergangenen Quartale.
Trotz aller Beteuerungen der Banken, sie hätten enorme Fortschritte beim Risiko-Management gemacht, sorgen sich Finanzaufseher in den USA und Europa, dass die Branche den Bogen auf der Suche nach immer höheren Renditen überspannt. Tatsächlich haben im zweiten Quartal fünf von sieben Investmentbanken an der Wall Street ihre Risikoposition noch einmal erhöht. Doch Blankfein und die anderen Fans des Eigenhandels haben ebenfalls ein gutes Argument: Bei den meisten Instituten stiegen die Einnahmen aus dem Wertpapierhandel deutlich schneller als die Risiken. Bei Goldman verdoppelten sich die Einnahmen im ersten Halbjahr beinahe (siehe Tabelle). Der VAR stieg dagegen "nur" um 63 Prozent. "Klarer kann man doch nicht beweisen, dass es sich lohnt, ein bisschen mehr zu wagen", meint ein Londoner Händler.

