Wildwuchs in Bilanzen: EU-Bankenaufsicht ist alarmiert

Wildwuchs in Bilanzen
EU-Bankenaufsicht ist alarmiert

Einer Studie der EU-Bankenaufsicht zufolge driften die Risikobewertungen von Banken weit auseinander. Der Knackpunkt: Von den Bilanzrisiken hängt auch ihr Eigenkapitalbedarf ab. Nun gilt es den Wildwuchs zu bekämpfen.
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LondonDie EU-Bankenaufsicht EBA will den Wildwuchs beim Umgang mit Risiken in den Bilanzen der Institute stoppen. EBA-Chef Andrea Enria erklärte am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie zu dem Thema, eine genauere Offenlegung der Bewertungsmethoden der Banken werde nicht ausreichen, um die Zweifel von Investoren und Analysten in die Zuverlässigkeit der Banken auszuräumen. "Die verbleibende Streuung ist signifikant und erfordert weitere Untersuchungen - und möglicherweise aufsichtliche Lösungen."

Bei der Studie unter 89 Banken in 16 Ländern Europas hatte sich nach vorläufigen Ergebnissen herausgestellt, dass die Institute gleichartige Risiken in den Bankbüchern oft völlig unterschiedlich bewerten. Allein unter den größten 20 Banken klaffen die Ergebnisse weit auseinander.

Gemessen am Anteil der Risiken und Ausfälle im Bankbuch an der Bilanzsumme hat die EBA Differenzen von bis zu 46 Prozent ausgemacht. Das alarmiert die Aufseher, weil von den Bilanzrisiken (RWA) unter anderem ihr Eigenkapitalbedarf abhängt. Je weniger Risiken sie ausweisen, desto weniger Kapital brauchen sie, um sich gegen Ausfälle abzusichern.

Die Hälfte des Unterschieds lässt sich der Studie zufolge noch durch unterschiedliche Maßstäbe der Aufseher in einzelnen Ländern und die abweichenden Strukturen des Kreditbestandes der Banken erklären. Die andere Hälfte liegt an den teils riesigen Unterschieden in den Risikomodellen der Banken. Sie können für die Risikoberechnung entweder einen von den Aufsehern vorgegebenen Standardansatz verwenden oder - mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde - eigene Modelle entwickeln, die ihr Risiko vermeintlich besser widerspiegeln. Auch deutsche Geldhäuser wie die Deutsche Bank und die Aareal Bank hatten ihre Eigenkapitalquoten durch solche Modelle aufgebessert.

Doch Experten warnen, dass viele Banken hier zu weit gehen könnten und ihre Kreditrisiken künstlich kleinrechneten. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht war in einer Studie unter 16 Banken weltweit zu ähnlichen Ergebnissen gekommen wie die EBA.

Der Generalsekretär des Ausschusses, Wayne Byres, äußerte am Dienstag in Südkorea Verständnis für den Unmut von Anlegern, die die Risikoberechnungen derzeit kaum durchschauen könnten. Neben einer Offenlegung der Bewertungsmethoden könne eine striktere Aufsicht helfen. Das sei zwar teuer, sagte Byres, "aber auch mangelndes Vertrauen in die Eigenkapitalausstattung von Banken ist kostspielig".

Nun will die EBA zunächst mit Banken und Aufsehern in den einzelnen Ländern sprechen, um aufzuklären, warum die Risiken so unterschiedlich bewertet werden. Nach Risiken im Kreditbuch will sie bis Ende des Jahres auch die Handelsbücher unter die Lupe nehmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Was für eine Schlagzeile, ich bin begeistert. Endlich wissen wir, wie es die Banken machen (sorry, kleine zynische Einlage).
    Bei den Aufsichtsbehörden sitzen auch nur staubdumme Mitarbeiter, die sich von der Bankenlobby einlullen lassen. Es wäre endlich mal an der Zeit hart durchzugreifen. Aber das traut sich weder Politik noch Aufsicht noch EBA. Alles Flachzangen.

  • Das habe ich Herrn Sanio bereits 1995 gesagt und er kannte danach die Problematik.

    Die internen Risikomodelle, als Kern der BASEL-Regelungen, sind aufgrund der Manipulationsmöglichkeiten für eine Bankenaufsicht ungeeignet.

    Jeder, der Bankenaufsicht verantwortlich betreiben und als seriös gelten will, muss interne Modell als bankaufsichtliches Steuerungsinstrument ablehnen. Daraus folgt, dass den BASEL-Regelung der Messparameter fehlt. Ein bankaufsichtliches Regelungssystem ohne Messparameter ist natürlich Quatsch.

  • ganz neue Erkenntnis. Spätestens als einige Banken sagten, dass die schärferen Eigenkapitalvorschriften auch über eine "Anpassung" der internen Modelle erreicht werden würden, sollte jedem klar geworden sein, dass die Internen Modelle zur Risikomessung nicht geeignet sind, vergleichbare Zahlen von den Banken zu erhalten. Es gil timmer noch die alte Börsenweisheit, dass die Bilanz der Versuch ist, mit möglichst vielen Zahlen möglichst wenig zu sagen.

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