„Fay“ hat bei seiner Stippvisite in Florida die Versicherer nochmal verschont. Doch mit dem Tropensturm ist die Gefahr längst nicht vorbei: In der laufenden Saison erwarten US-amerikanische Wetterexperten über dem Atlantik fünf bis acht Hurrikans. Die Wirbelstürme bedeuten immense Risiken für die Assekuranzen.
DÜSSELDORF. Für eine Entwarnung ist es zu früh: Tropensturm „Fay“ ist zwar am Dienstag im US-Sonnenstaat Florida nicht als veritabler Hurrikan an Land gefegt. Er blieb mit seinen 95 Stundenkilometern „nur“ ein normaler Tropensturm, vergleichbar den in Europa bekannten Winterstürmen. Fachleute reden erst ab einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern von einem Hurrikan. Doch von diesem Kaliber erwartet die amerikanische Wetter- und Ozeanographiebehörde NOAA in der jetzt anlaufenden Saison noch fünf bis acht Stück im Atlantik. Der jährliche Durchschnitt von 1950 bis heute liegt laut National Oceanic Atmospheric Administration bei sechs Hurrikanen.
Auch die anderen Forschungsinstitute liegen dieses Jahr mit ihren Prognosen alle auf einer Linie. „Das deckt sich mit unseren Erwartungen“, sagt Peter Höppe, Leiter der Georisiko-Forschung der Münchener Rück . Die Institute gehen in Warmwasserphasen alle von acht Hurrikanen aus; also zwei über dem langfristigen Mittel. Denn, aktuell kommen zwei Faktoren zusammen: Seit 1995 befindet der Nordatlantik sich in einer natürlichen Warmwasserphase; Wärme fördert generell die Entstehung von Wirbelstürmen. Zu der allgemeinen Warmwasserphase kommt die zunehmende Erderwärmung aufgrund steigender Treibhausgasemissionen hinzu. Diese Gemengelage entlädt sich in erhöhten Sturmaktivitäten. Dennoch sieht Höppe keinen Grund zur Beunruhigung: „Die bloße Anzahl ist nicht entscheidend, sondern wo und wie heftig der Sturm an Land geht.“ „Fay“ hat die Versicherer insofern verschont.
Die Assekuranzen interessieren sich zunehmend für die Prognosen der Forschungsinstitute – allen voran die Rückversicherer. Bei diesen Großhändlern der Branche landet letztlich das Gros der Schäden aus Naturkatastrophen. Normale Endkunden-Versicherer, wie eine Allianz, sichern sich gegen Katastrophen üblicherweise bei Rückversicherern ab. Und selbst für die globalen Rück-Konzerne sind Risiken vom Kaliber eines ausgewachsenen Wirbelsturms oft noch zu groß, um sie allein zu schultern. Daher teilen sie die Risiken auf dem Weltmarkt untereinander auf, bis die „Portionen“ für jedes einzelne Unternehmen erträglich sind. Größere Schäden treffen daher regelmäßig den gesamten Markt.
Der teuerste Hurrikan aller Zeiten war Wirbelsturm „Katrina“, der 2005 große Gebiete im Süden der USA einschließlich der Großstadt New Orleans unter Wasser setzte. Die versicherten Schäden, die durch „Katrina“ entstanden sind, werden mit 67,7 Mrd. Dollar beziffert – für zerstörte Häuser, Autos, Ölplattformen und andere Werte. Das sind selbst für die finanzkräftigsten Rückversicherer große Brocken. Zum Vergleich: Die gesamte Branche hat Einnahmen von schätzungsweise gut 160 Mrd. Dollar pro Jahr. Exakte Zahlen existieren nicht. Weltmarktführer ist die Münchener Rück dicht gefolgt von der Swiss Re aus Zürich.
Die Rückversicherer warnen seit Jahren vor den unterschätzten Folgen des Klimawandels. Sie sitzen am Ende der Kette und müssen zumindest für die versicherten Schäden aufkommen. Die volkswirtschaftlichen Schäden gehen ohnehin weit über die versicherten hinaus. Das liegt daran, dass die durch Naturkatastrophen am stärksten gefährdeten Regionen der Erde gleichzeitig zu den ärmsten der Welt gehören. Florida zählt insofern zu den Ausnahmen, weil dort sowohl das Risiko als auch die Wertekonzentration hoch sind. Entsprechend teuer ist der Versicherungsschutz.

