Die aus- und inländische Kreditwirtschaft wirbt seit dem Ende der Steueramnestie verstärkt um deutsche Kunden. Vor allem Schweizer Bankiers weisen in Beratungsgesprächen auf die verbesserten Zugriffsmöglichkeiten der deutschen Finanzbehörden auf die Konten hin, die das „Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit“ seit Anfang April einräumt (siehe „Zahlen über Kontoabfragen umstritten“).
ZÜRICH. Von der Schweizer Großbank UBS bis zur Basler Bank Sarasin haben Institute des Nachbarlandes bereits entschieden, sich stärker in Deutschland zu engagieren und den Kunden die Vorteile des Schweizer Bankensystems zu offerieren. Sarasin hofft, bereits im Mai die Banklizenz für Deutschland zu bekommen. Umgekehrt gründen die ersten deutschen Banken Filialen im Ausland, um eine ähnliche Klientel zu bedienen.
Eine Entwicklung wie in Deutschland sei in der Schweiz undenkbar, kommentiert Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung die Regelung. Nachteilig sei dieses Urteil für die Schweizer sicher nicht, stellt er fest. Im Gegenteil: Als „gefundenes Fressen für ausländische Banken“ bezeichnet Eric Syz, Mitinhaber der gleichnamigen Genfer Privatbank die deutsche Regelung. Syz verwaltet ein Kundenvermögen von sechs Mrd. Euro, das zu einem nicht geringen Teil aus Deutschland stammt.
Manfred Wergen, bei der Zürcher Bank Leu für das Geschäft mit vermögenden Privatkunden in Deutschland zuständig, sieht den gleichen Effekt: Es bestehe eine Unsicherheit bei deutschen Kunden, die ein großes Vermögen besitzen. „Wenn sich das Gesetz zur Steuerehrlichkeit konkretisiert, werden sich unter Umständen viele dazu entschließen, ihr Vermögen im Ausland betreuen zu lassen.“ Zurzeit steht eine endgültige richterliche Entscheidung, ob die Regelung dauerhaft durchgesetzt werden kann, noch aus. Noch mehr Geld würde fließen, wenn „der deutsche Kunde so mobil wäre wie andere Europäer“, bemerkt Syz.
Weil auch deutsche Kreditinstitute genau diese Beobachtungen gemacht haben, probieren zwei Raiffeisenbanken aus Bayern derzeit das umgekehrte Modell: Sie eröffnen Niederlassungen im Nachbarland– nicht in der Schweiz, sondern im unkomplizierteren EU-Mitgliedsland Österreich, wo das Bankgeheimnis ebenfalls noch intakt ist. Die Niederlassungen unterliegen, wie Claudius Seidl, Vorstandschef der Volks- und Raiffeisenbank Rottal-Inn beschreibt, selbstverständlich „dem österreichischen Bankgeheimnis“. Am 2. Mai soll die erste Auslandsfiliale der Rottaler im österreichischen Braunau eröffnet werden.
Den gleichen Weg schlägt Andreas Dichtl ein, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Berchtesgadener Land. Er wird ebenfalls im Mai eine Niederlassung in Salzburg eröffnen. Dort gelte, wirbt Dichtl, das liberale österreichische Steuerrecht und das strengere Bankgeheimnis. „Unsere österreichischen Mitbewerber“, klagt Dichtl im hauseigenen Genossenschaftsblatt, „werben ganz massiv damit, dass das Gesetz, das den Abruf von Kundenstammdaten erlaubt, für sie nicht gilt.“

