Weil auch deutsche Kreditinstitute genau diese Beobachtungen gemacht haben, probieren zwei Raiffeisenbanken aus Bayern derzeit das umgekehrte Modell: Sie eröffnen Niederlassungen im Nachbarland– nicht in der Schweiz, sondern im unkomplizierteren EU-Mitgliedsland Österreich, wo das Bankgeheimnis ebenfalls noch intakt ist. Die Niederlassungen unterliegen, wie Claudius Seidl, Vorstandschef der Volks- und Raiffeisenbank Rottal-Inn beschreibt, selbstverständlich „dem österreichischen Bankgeheimnis“. Am 2. Mai soll die erste Auslandsfiliale der Rottaler im österreichischen Braunau eröffnet werden.
Den gleichen Weg schlägt Andreas Dichtl ein, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Berchtesgadener Land. Er wird ebenfalls im Mai eine Niederlassung in Salzburg eröffnen. Dort gelte, wirbt Dichtl, das liberale österreichische Steuerrecht und das strengere Bankgeheimnis. „Unsere österreichischen Mitbewerber“, klagt Dichtl im hauseigenen Genossenschaftsblatt, „werben ganz massiv damit, dass das Gesetz, das den Abruf von Kundenstammdaten erlaubt, für sie nicht gilt.“

