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11.04.2007 
Hedge-Fonds und Private-Equity

„Wo landen die Risiken?“

von Peter Köhler, Jens Koenen und Robert Landgraf

Die Märkte haben sich durch Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften dramatisch verändert. Angesichts der erreichten Marktmacht fordern nicht nur Finanzaufseher, sondern auch Vertreter der betroffenen Branchen größere Transparenz. Beim „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts diskutieren Experten über Gefahren und Chancen der Branche.

Rasant verändern sich die Märkte durch Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Foto: apLupe

Rasant verändern sich die Märkte durch Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Foto: ap

FRANKFURT. Die Hedge-Fonds und die Private-Equity-Investoren müssen sich öffnen und transparenter werden. Das war der Tenor beim „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts zum Thema „Private Equity und Hedge-Fonds – Wann platzt die Blase?“

Edgar Meister, im Vorstand der Deutschen Bundesbank zuständig für die Finanzaufsicht, weist darauf hin, dass sich die Größe und die Strukturen der Märkte durch die Hedge–Fonds und die Beteiligungsmanager dramatisch verändert hätten. „Für die heutigen Strukturen gab es noch keinen echten Belastungstest in einem ungünstigen ökonomischen Umfeld“, warnt Meister. Zwar komme die Diversifizierung der Risiken dem Bankensystem zugute. Aber die Risiken landeten dann woanders, das beschäftige die Aufseher. „Wir wissen in diesem Fall nur, dass die Risiken aus dem Bankensystem raus sind, aber wir wissen nicht, wo sie genau hingehen“, sagt Meister.

Nach Branchenschätzungen investierten Stiftungen, Pensionskassen und Versicherungen weltweit rund zwei Bill. Dollar in Hedge-Fonds – vor 15 Jahren waren es gerade einmal 100 Mrd. Dollar. Hedge-Fonds sind unregulierte Kapitalsammelstellen, die auf kurzfristige Trends und Gelegenheiten bei Devisen, Rohstoffen, Terminmärkten und Firmenübernahmen spekulieren. Aufsehen erregte in den vergangenen Monaten der Druck der Hedge-Fonds auf die Manager von ABN Amro oder auch der Deutschen Börse, ihre jeweilige Geschäftspolitik zu ändern.

Private-Equity-Manager kaufen dagegen Konzernteile oder Mittelständler, um sie im Durchschnitt drei bis sieben Jahre als Eigentümer zu führen. In dieser Zeit restrukturieren sie die Unternehmen, um sie danach zu einem höheren Preis zu verkaufen. Zuletzt wurden die Deals immer größer; KKR bot beispielsweise 29 Mrd. Dollar für den Kreditkartenabwickler First Data. Laut Private Equity Intelligence sammelten die Beteiligungsfonds für Buyouts 2006 rund 212 Mrd. Dollar ein, zusammen mit Kreditfinanzierungen können damit Unternehmen im Gesamtwert von schätzungsweise 700 Mrd. Dollar gekauft werden.

Lars Jäger, Partner beim schweizerischen Dachfondsmanager Partners Group, glaubt, dass vor allem der Druck der institutionellen Geldgeber zu einer Öffnung der Hedge-Fonds führen wird. „Das zunehmende Engagement von Pensionsfonds aus den USA, Europa und Japan in Hedge-Fonds zwingt die Fonds, mehr Transparenz zu zeigen.“ Milliardenschwere Pensionskassen wie Calpers müssten angesichts ihrer treuhänderischen Verantwortung einen tieferen Blick in Strategie und Investitionen einfordern und täten dies bereits, sagt Jäger. Als Vertreter der Investmentbanken sagte der Vorstand der UBS in Deutschland, Hermann Prelle, durch die starke Verbriefung von Forderungen seien Klumpenrisiken bei den Kreditinstituten heute eigentlich nicht mehr zu sehen. Die Banken wüssten, wo die Risiken der einzelnen Hedge-Fonds liegen, wenn sie ihnen Kapital leihen. Aber die so genannten Prime Broker seien nicht die einzigen Kreditgeber. Auch Nichtbanken befänden sich darunter. „Die dort befindlichen Risiken sind schwerer zu beurteilen und entziehen sich auch indirekt der Finanzaufsicht“, sagt Prelle.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch die Private-Equity-Spieler wollen ihr Geschäftsmodell besser erklären.

Aber nicht nur die Hedge-Fonds, auch die Private-Equity-Spieler wollen ihr Geschäftsmodell besser erklären. „Es gibt einen Konsens, dass man auf der Arbeitnehmerseite transparenter sein muss. Man vermutet bei uns ja die schlimmsten Sachen“, sagt Steven Koltes, Deutschland-Chef beim Finanzinvestor CVC. Es gebe Klärungsbedarf, schließlich sei Private-Equity im Schnitt besser als die Gesamtheit der Dax-Unternehmen, wenn es um neue Jobs gehe. Natürlich gebe es auch Einschnitte bei den gekauften Firmen, vor allem in den ersten Jahren. Aber das sei ein Prozess; Finanzinvestoren kauften und verkauften Töchter und organisierten die Firmen neu. Letztlich zählten die um all diese Prozesse bereinigten Zahlen. „Und die können wir guten Gewissens zeigen. Die Informationen zum Umsatz, dem operativen Ergebnis und den Investitionen können wir ebenfalls veröffentlichen. Darüber denken wir zurzeit nach“, sagt Koltes.

Für Bundesbank-Aufseher Meister gibt es heute schon externe Ratings für Kreditrisiken und operationelle Risiken, die man bei den Hedge-Fonds anwenden könnte. „Damit hätte man doch einen Ansatz für eine marktmäßige Lösung, die diskutiert werden sollte“, sagt Meister. Die ursprünglichen Informationen über Hedge-Fonds könnten sogar vertraulich bleiben. Die Ratingagenturen würden die Marktrisiken beurteilen und dann ihr Rating vergeben. Geänderte Geschäftsstrategien der Hedge-Fonds erfahre die Aufsicht nach einem halben Jahr, gegenüber der Ratingagentur würde das sofort mitgeteilt werden. Das Argument der Hedge-Fonds, man wechsele so schnell die Strategie, dass das keiner mitbekomme, will Meister nicht gelten lassen. Die Ratingagenturen hätten sehr wohl die Expertise, Bonitätsnoten für Hedge-Fonds anzufertigen. „Das ist doch ihr Business“, ergänzt der Aufseher. Ihm gehe es vor allem um die 100 bis 200 Fonds mit fünf bis zehn Mrd. Dollar, die sich die ganz großen Stücke des Kuchens teilen. Hier könnten Risiken für das Finanzsystem entstehen. Die anderen 8 000 Hedge-Fonds seien weniger gefährlich, da sich deren Risiken überwiegend gegenseitig aufhöben.


Die Aufpasser der Bundesbank

Bedenken: Die Finanzaufsicht der Bundesbank fürchtet, dass es durch Hedge-Fonds zu Prozessen kommt, die in ein systemisches Risiko münden. Dabei denken die Aufpasser weniger an Kreditrisiken, sondern eher an Marktrisiken. „In einem Krisenfall wissen wir gar nicht, wer bei den Hedge-Fonds die Investoren sind und wo sie sitzen, das dauert dann vielleicht viel zu lange, um alle an einen Tisch zu bringen“, sagt Edgar Meister.

Anforderungen: Die Bundesbank will wissen, wie gut das Risikomanagement der Hedge-Fonds ist. Als warnendes Beispiel gilt der Hedge-Fonds Amaranth, der 2006 in eine Schieflage geriet. Der Handel sei dabei „1 000 Kilometer entfernt“ vom Risikocontrolling gewesen. „Das war eine klare Schwäche“, so Meister. Und dann seien von zehn Mrd. rund sechs Mrd. Dollar in Energiekontrakte investiert worden, so dass eine zu große Risikokonzentration bestanden habe.


Die Analysten aus der Schweiz

Datenjäger: Dachfondsmanager wie die Partners Group werten für ihre Kunden die Strategien der Hedge-Fonds und Private-Equity-Investoren aus.

Freiwilligkeit: Hedge-Fonds-Experte Lars Jäger hofft auf die Selbstregulierung der Märkte und Verhaltensregeln. „Ein freiwilliger Verhaltenskodex für die Hedge-Fonds-Industrie ist der richtige Schritt. Mit einem nicht-öffentlichen Rating könnte sich ein Großteil der Branche sicherlich anfreunden“, greift er den Vorschlag von Bundesbank-Aufseher Meister auf. Bislang sei von Hedge-Fonds nur einmal ein Risiko für die gesamte Finanzindustrie ausgegangen. „Das war bei der Pleite von LTCM im Jahr 1998.“

Prognose: Jäger schätzt, dass 50 Prozent der Hedge-Fonds bereit sind, Informationen an unabhängige Dritte wie Ratingagenturen zu geben und so für mehr Transparenz zu sorgen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Sicht der Investmentbanker und die selbstbewussten Finanzinvestoren

Die Sicht der Investmentbanker

Finanzakrobatik: Die Investmentbanken machen gute Geschäfte mit Hedge-Fonds und Finanzinvestoren. Die Risiken geben sie dabei über Verbriefungen an die Kapitalmärkte weiter. „Eine weitere Möglichkeit zur Absicherung bietet der derivative Bereich. So können Kreditrisiken über so genannte Credit Default Swaps verkauft werden“, sagt Hermann Prelle von UBS. Geopolitische Risiken stellten die größten Gefahren für das globale Finanzsystem dar und nicht Hedge-Fonds und Private Equity.

Risikohunger: Der Druck auf die Manager von Hedge-Fonds und Private Equity wächst. „Zwar investieren gerade Großanleger immer mehr Geld in beide Anlagekategorien, aber die Konkurrenz steigt, die Anlagechancen und damit die Renditen sinken tendenziell. Das zwingt dazu, größere Risiken einzugehen“, hat der Top-Manager der UBS beobachtet.


Die selbstbewussten Finanzinvestoren

Verantwortung: Für Private Equity ist es laut CVC-Manager Steven Koltes ganz wesentlich, dass die soziale Verantwortung der Branche erkannt wird. Das heiße, dass man nicht „scheinverantwortlich“ handelt, sondern richtig verantwortlich sei. „Man muss es nachweisen können“, sagt der Finanzinvestor.

Abgrenzung: Hedge-Fonds sollten möglichst nicht mit ihren Strukturen ins Private-Equity-Geschäft einsteigen, warnt Koltes. Das sei zu gefährlich, denn das Geld könne nach drei Monaten abgezogen werden. „Wir bleiben dagegen auf Jahre investiert. Das ist ein großer Unterschied, hier verläuft die Trennungslinie.“

Aussichten: „Heute schauen wir uns auch solche Unternehmen an, die früher auf Grund ihrer Größe unangreifbar waren“, erläutert Koltes das neue Selbstbewusstsein der Beteiligungsbranche.

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