Wohngebäudeversicherung: „Jede Sparte muss auf längere Sicht rentabel sein"

Wohngebäudeversicherung„Jede Sparte muss auf längere Sicht rentabel sein"

Viele Hausversicherer stecken in den roten Zahlen. Deshalb rechnet der Chef des Sparkassenversicherers Provinzial Nordwest, einer der Branchenführer in der Wohngebäudeversicherung, mit Prämienerhöhungen.
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Handelsblatt Online: Herr Rüther, die Sparkassenversicherer sind traditionell Marktführer in der Wohngebäudeversicherung. Warum verdienen die deutschen Versicherer in dieser Sparte kein Geld?
Ulrich Rüther: Die öffentlichen Versicherer sind durch ihre Historie in der Gebäudeversicherung fest verankert. Für die Provinzial Nordwest bedeutet dies, dass im Geschäftsgebiet der Westfälischen Provinzial und der Provinzial Nord jeweils über ein Drittel aller Gebäude bei uns versichert sind. Trotz unserer Rolle als Regionalversicherer sind wir damit der drittgrößte Wohngebäudeversicherer in Deutschland. Für die gesamte Branche gilt, dass die Prämiensteigerungen der letzten Jahre bei Weitem nicht ausreichten, um die Steigerungen bei den Schadenaufwendungen zu kompensieren. Neben den Frostschäden aufgrund der harten Winter und einigen Sturm- und Hagelereignissen macht der Branche der Anstieg der Leitungswasserschäden durch alternde Rohrsysteme zu schaffen.

Warum heben die Versicherer nicht einfach die Prämien noch stärker an?
Das geschieht teilweise auch, aber in der Summe ist das noch nicht ausreichend. Hier werden die Versicherer, und insbesondere diejenigen, die in den letzten Jahren ausschließlich auf Wachstum fokussiert waren, in den nächsten Jahren die Profitabilität in den Vordergrund stellen müssen. Prämienanpassungen gehören natürlich als wichtiges Element dazu. 

 

Ist der scharfe Wettbewerb in dieser Sparte gut für die Kunden?
Das mag kurzfristig den Eindruck erwecken. Mittelfristig würde ich das klar verneinen. Nur profitable Versicherer können im Schadenfall den Service erbringen, den der Kunde zu Recht erwartet. Gerade in der Wohngebäudeversicherung ist aus meiner Sicht für unsere Kunden eine schnelle und umfassende Schadenregulierung wichtig. Wenn Ihnen ein Sturm das halbe Dach abdeckt oder ein Feuerschaden den Hof zerstört, erwarten Sie von Ihrem Versicherer eine schnelle Hilfe und Unterstützung.

Der Klimawandel wirkt, das Wetter wird unberechenbarer. Starke Regenfälle, Keller unter Wasser und kleine Wirbelstürme gibt es häufiger als früher. Sind Hausbesitzer ausreichend versichert?
Die Absicherung im Elementarbereich ist bei vielen Hausbesitzern noch nicht ausreichend, obwohl es hier bereits sehr gute Versicherungslösungen gibt. Bei der Provinzial beispielsweise sind derzeit nur rund 20 Prozent der Wohngebäudeversicherungen mit einer zusätzlichen Elementarversicherung gekoppelt. In der Hausratversicherung liegt die Quote mit 15 Prozent sogar noch etwas niedriger. Hier sind wir natürlich auch als Versicherer gefordert, noch mehr Aufklärungsarbeit bei den Kunden zu leisten.

 

Kommentare zu " Wohngebäudeversicherung: „Jede Sparte muss auf längere Sicht rentabel sein""

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  • Hallo Herr Schmitt

    Schöner Artikel der wirklich jeden Hauseigentümer wach rütteln sollte, der noch keine Gebäudeversicherung hat. Welche Schäden Naturkatastrophen an Häusern verursachen können, konnte ja in den letzten Monaten gut in den Medien verfolgt werden.
    Ich stimme Ihnen voll zu, auch bez. des zusätzlichen Elementarschutz zu, diesen mit in die Wohngebäudeversicherung einzubeziehen.
    (...)

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