Knapp einen Monat nach der Zahlungsunfähigkeit der US-Investementbank Lehman
Brothers ist der Lebensversicherer Yamato Seimei das erste japanische Opfer der weltweiten Finanzkrise. Der mittelgroße Versicherer stellte beim zuständigen Bezirksgericht Insolvenzantrag.
HB TOKIO. Yamato Seimei bat zugleich um Anwendung eines Gesetzes aus dem Jahr 2000, das die schnelle Rekapitalisierung von gescheiterten Finanzinstitutionen mit Staatshilfe ermöglicht. Die Nachricht beschleunigte am Freitag im Tokioter Handel den Absturz sämtlicher Finanzaktien. "Die Insolvenz von Yamato Seimei ist ein Spezialfall und liegt nur an deren eigener Schwäche", versuchte Finanzminister Kaoru Yosano die Märkte zu beruhigen.
Die Finanzkrise kommt in diesen Tagen mit einiger Verzögerung auch bei Japans Finanzinstituten an. Im Schnitt stehen sie wesentlich besser kapitalisiert da als ihre westlichen Gegenstücke. Doch auch sie sind nicht immun gegenüber der weltweiten Erosion von Bilanzwerten. "Auch in Japan greift Kreditunsicherheit um sich", sagt Analyst Tsuyoshi Segawa von Shinko Securities. Versicherungsaktien gehören weltweit zu den größten Verlierern.
Vor der Firmenzentrale von Yamato Seimei in Tokio bildeten sich Schlangen von Kunden, die nach dem Schicksal ihrer Einlagen fragen wollten. Das Unternehmen reagierte, indem es die Türen abschließen ließ. "Auch an der Telefonhotline geht keiner mehr ran", ärgert sich eine Kundin. Bei Yamato stehen Schulden von 270 Milliarden Yen (zwei Milliarden Euro) den Kundeneinlagen von 283 Milliarden Yen gegenüber. Es ist also praktisch kein Geld da, um die Forderungen der Versicherungsnehmer zu bedienen.
Yamato hatte seine Mittel zu einem guten Teil in riskante US-Papiere investiert, um eine höhere Rendite zu erzielen. Dazu gehörten neben den berüchtigen verbrieften Hypothekenkrediten mit geringer Bonität (Subprime) auch andere Investments, die inzwischen an Wert verloren haben. Die Versicherung verschuldete sich auch für diese Geldanlagen, um die Rendite auf das Eigenkapital hochzutreiben. Diese Praxis bewirkt jedoch auch bei den Verlusten einen Hebeleffekt.
Das komplette Top-Management von Yamato kündigte heute seinen Rücktritt an. Noch vor drei Monaten hatte der Firmenchef eine Broschüre an alle Kunden versenden lassen: "Bei uns sind Sie gut aufgehoben", hieß es darin. "Trotz der schlechten Nachrichten, die Sie im Fernsehen sehen, sind unsere Anlagen stabil. Wir arbeiten daran, sie noch sicherer zu machen." Dementsprechend verärgert zeigen sich die Kunden. "Ich bin zu Yamato gegangen, weil ich einem so guten Namen vertraut habe", sagt eine Versicherungsnehmerin vor der belagerten Firmenzentrale. Yamato hat 170 000 Kunden und über 1000 Mitarbeiter. Er gehört in Japan in die Mittelklasse der Branche. Damit geht in Japan zum achten Mal seit dem Krieg ein Lebensversicherer in die Zahlungsunfähigkeit.

