Der Zahlungsverkehr, das einstige Stiefkind in den Vorstandsetagen der Banken, entwickelt sich zum strategischen Wachstumsfeld. Eine neue Studie erwartet eine zweistellige Zunahme in Europa – das größte Wachstum weisen Kredit- und Girokarten auf.
Die höchsten Wachstumsraten im Zahlungsverkehr erwarten die Autoren der Studie für Polen, Griechenland, Spanien und Italien. Foto: Archiv
FRANKFURT. „Zahlungen ist der einzige Privatkundenbereich, der mit einer hohen Rate wächst, auch in entwickelten Märkten“, heißt es dazu im World Payments Report, der einmal im Jahr die Zahlungsverkehrslandschaft analysiert. So geht die Studie auch angesichts einer weiter wachsenden internationalen Verflechtung davon aus, dass das Volumen bargeldloser Zahlungen auch in 13 wichtigen europäischen Ländern bis 2013 jährlich zweistellig zulegen wird.
Die höchsten Wachstumsraten erwarten die Autoren der Studie für Polen, Griechenland, Spanien und Italien. Doch auch in Deutschland wird mit acht Prozent Wachstum jährlich gerechnet. Solche Wachstumsraten und der Charakter als stabiler Ertragsbringer in Zeiten der Finanzkrise sowie die Aussicht auf eine weitere Konsolidierung in dem Geschäftsbereich rücken den Zahlungsverkehr in den Fokus.
„Die Margen im Zahlungsverkehr sind nicht gerade üppig, aber das Geschäft kommt über die Volumina“, sagte Hubertus von Poser, der bei Capgemini Finanzdienstleister berät. Zudem seien Girokonten sowie Kreditkarten exzellente Instrumente der Kundenbindung.
Der einheitliche europäische Zahlungsverkehrsraum Sepa trägt dazu bei, dass europäische Banken den Markt zunehmend über die nationalen Grenzen hinaus definieren. Von Poser rechnet damit, dass die Zusatzinvestitionen für Sepa dazu führen werden, dass sich ab 2010 vermehrt Banken dazu entschließen, ihren Zahlungsverkehr auszulagern oder mit anderen Instituten zusammenzulegen.
Das größte Wachstum wiesen im Zahlungsverkehr im Zeitraum 2001 bis 2006 Kredit- und Girokarten auf. Sie nehmen inzwischen mit 54 Prozent den größten Teil des bargeldlosen Zahlens ein. China ist mit einem Fünftel aller neu ausgegebenen Karten bereits der zweitgrößte Kartenmarkt der Welt – auch wenn Bargeld in der chinesischen Volkswirtschaft weiter dominiert. Wegen des hohen Wachstums bemühen sich deutsche Banken derzeit um europäische Kartenalternativen in dem von US-Unternehmen dominierten Markt. Aktuell laufen mit EAPS und Monnet hierzu zwei Projekte.
Im Streit zwischen der EU und Mastercard beziehungsweise dessen Konkurrenten Visa um Interbankengebühren bei Kartenzahlungen spricht sich die Studie, erstellt vom Beratungsunternehmen Capgemini, der Royal Bank of Scotland und dem europäischen Finanzverband Efma, für die Interbanken-Gebühren aus, die die EU-Kommission kritisiert.

