Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler fordert eine Änderung der Bilanzierungsregeln für Banken. Seiner Ansicht nach verschärft die derzeit gültige Regelung die aktuelle Finanzkrise. Dabei hätte eine Anpassung auch eine Kehrseite für die Branche.
FRANKFURT. „Die jüngste Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass die Fair-Value-Bewertung die Schwankungen und die Prozyklik der Gewinne und damit der Wirtschaftsentwicklung verstärkt“, sagte Zeitler dem Handelsblatt. „Wirtschaftsprüfer und Standardsetter müssen sich Gedanken über eine Verbesserung der Bewertungsmaßstäbe machen“, forderte Zeitler und schloss sich damit Forderungen aus der Finanzbranche an. Zeitler geht es dabei nicht um die Information der Kapitalmärkte, sondern um die Gewinnermittlung als Grundlage für die Ausschüttung an Aktionäre und Manager.
Zeitler kritisiert mit seinen Äußerungen indirekt, dass nach den seit Ende 2007 für faktisch alle Banken geltenden Bilanzierungsregeln IFRS die Buchwerte etwa bestimmter Wertpapiere in Boomphasen mit den Kursen drastisch steigen. In Abschwungphasen brechen die Bewertungen aber auch massiv ein. In der aktuellen Krise führt dies zu einem rasanten Anstieg der Verluste bei vielen Instituten.
Auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, warnte davor, dass viele Vorschriften und Verfahren prozyklisches Verhalten förderten und damit Booms und Krisen verstärkten. Im EU-Parlament hatte der EZB-Chef Ende März mehr „Antizyklizität“ gefordert.
Das globale Finanzsystem steckt momentan in einer Krise, weil sich Banken weltweit mit zweitklassigen US-Immobilienkrediten verspekuliert haben. Bislang mussten sie mehr als 200 Mrd. Dollar abschreiben. Experten rechnen damit, dass Wertberichtigungen von bis zu 600 Mrd. Dollar erforderlich werden können. Zumindest in Deutschland wären die Abschreibungen nach den alten Regeln des Handelsgesetzbuches (HGB) geringer ausgefallen, weil dieses das rigide „Fair-Value-Prinzip“ nicht kennt.
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