Die Betriebsräte des Postbank
-Konzerns stehen vor großen Aufgaben. Die Deutsche Bank
übernimmt im ersten Quartal knapp 30 Prozent an der Privatkundenbank, es ist eine Frage der Zeit, bis die Deutsche Bank
die Mehrheit schluckt. Da gilt es, Geschlossenheit zu zeigen. Wie die Postbank
-Betriebsräte sich derzeit gegenseitig bekriegen.
FRANKFURT. Im Konzernbetriebsrat kam es jüngst zum Showdown - und böse Zungen behaupten, dass gerade die Aussicht, bald in der Deutschen Bank
aufzugehen, der eigentliche Grund ist.
Doch von vorne: Am vergangenen Mittwoch stimmte der Konzernbetriebsrat auf einer Sondersitzung über die Abwahl von Betriebsratschef Torsten Schulte ab. Der Vorwurf: Schulte sei ein Streikbrecher. Er habe bei den Tarifverhandlungen im Sommer am 12. September - just am Tag des Einstiegs der Deutschen Bank
- einer Tarifeinigung für die Postbank
-Bausparkassentochter BHW zugestimmt, obwohl deren Beschäftigte eine Woche später für einen längeren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen streiken wollten. Damit sei er ihnen in den Rücken gefallen.
Bei der Postbank
gelten für Beschäftigte in den Filialen, bei BHW und bei der Mutter und deren Servicetochter BCB eigene Haustarifverträge. Das BHW hatte sich dem schon früher abgeschlossenen Vertrag für die Filialen angeschlossen. Das Haustarifgeflecht mag ein Grund für die Querelen sein - auch Schulte-Anhänger bezeichnen heute den Zeitpunkt der Zustimmung als unglücklich. Aber in der Sache finden sie den Abschluss gut - und fragen sich, ob das wirklich für eine Abwahl Schultes reicht.
Das scheint zumindest die Gewerkschaft Verdi zu denken. Denn der Bundesfachbereichsvorstand hat nach Handelsblatt-Informationen wenige Tage vor der Sitzung des Betriebsrats darüber beraten, das Verdi-Mitglied Schulte aus der Bundesfachgruppe Postbank
auszuschließen. Trotz mehrerer Anfragen wollte sich Verdi dazu nicht äußern. Vielleicht auch, weil mittlerweile Spekulationen über ganz andere Motive für die Sondersitzung bei Verdi und im Betriebsrat kursieren: Wer sich jetzt im Konzernbetriebsrat der Postbank
durchsetzt, hat beste Chancen, bei einer Übernahme auch im Arbeitnehmergremium bei Deutschlands größtem Kreditinstitut zu sitzen.


