„Zu ertragsschwach“: Finanzaufsicht stachelt Banken zu mehr Gewinnen an

„Zu ertragsschwach“
Finanzaufsicht stachelt Banken zu mehr Gewinnen an

Die Finanzaufsicht BaFin hält die Ertragsschwäche der deutschen Banken noch nicht für überwunden. Sie fordertvon der Branche weitere Renditesteigerungen.

HB FRANKFURT. „Das Kardinalproblem des deutschen Kreditgewerbes bleibt weiter ungelöst, die Erträge im operativen Geschäft sind oft noch zu schwach“, sagte der Präsident der Bundeanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, auf dem Neujahresempfang des Behörde am Mittwoch in Frankfurt. Der übersteigerte Wettbewerb im Kreditgeschäft halte an. Die Aussichten, hier Geld zu verdienen, seien eher schlecht. Die Banken könnten ihre anhaltende Ertragsschwäche nicht dauerhaft durch niedrige Risikovorsorge und Kostensenkungen kompensieren. „Zu Euphorie besteht also kein Anlass“, resümierte Sanio.

„So lange wir mit unserer Durchschnittsrentabilität im internationalen Vergleich immer noch einen der hinteren Plätze einnehmen, bleibt oberste Bankenpflicht: 'Arbeite an deiner Ertragskraft!'“, sagte der Aufseher. Nur starke Banken könnten genug Reserven bilden, um Krisen durchzustehen. Im weltweiten Vergleich kann derzeit von den großen inländischen Instituten nur der Branchenprimus Deutsche Bank mithalten, der 2005 eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent avisiert hat.

Sanio verwies darauf, dass die Sach- und Rückversicherer mit einem weltweiten Schadensvolumen von 75 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr die größte Last in ihrer Geschichte schultern mussten. Hauptgründe seien der Tsunami in Südostasien sowie die Hurrikans in der Karibik gewesen. „Die deutschen Versicherer haben Federn gelassen, sie waren jedoch stark genug, die Folgen der enormen Schäden ohne Schwierigkeiten zu verkraften“, sagte er. Die Gefahr von Wirbelstürmen sei wohl dauerhaft gestiegen, die Versicherer müssten sich darauf einstellen. „Sie müssen ihre Risikomodelle an die neue Gefahr anpassen und weiterentwickeln, was sie auch schon tun“, fügte Sanio hinzu.

Deutschlands oberster Finanzaufseher sprach sich erneut gegen Überregulierung aus und verwies dabei auf die 2007 in Deutschland in Kraft tretenden neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) für Banken. Die EU habe den „Detail-Wildwuchs“ des Regelwerks nicht energisch genug zurechtgestutzt, sagte Sanio. „Wir können jetzt in allen 20 Amtssprachen der EU nachlesen, was dabei herauskommt, wenn man schließlich doch der Versuchung erliegt, komplexen Lebenswirklichkeiten mit komplexen Regeln zu begegnen. Dieser Weg ist falsch.“ Eine Chance zur Verbesserung liege nun in der Formulierung der nachgeordneten Regelungen.

Solvency II – das Pendant von Basel II für Versicherer – ist nach Sanios Worten noch in der Entstehung. „Daher besteht zumindest theoretisch noch die Hoffnung, dass die EU-Kommission nicht die Fehler wiederholt, die sie bei der Umsetzung von Basel II gemacht hat“, sagte er.

Die Krise um den offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank hat Sanio zufolge gezeigt, dass die deutschen Anleger mit Bedacht handeln und nicht die gesamte Produktklasse unter Generalverdacht stellen. „Die Mittelabflüsse waren zwar teilweise beachtlich, aber nicht Besorgnis erregend“, sagte er. Mittlerweile meldeten etliche Fonds sogar wieder Zuflüsse.

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