Weil die Folgen für das Finanzsystem ihnen Angst machten, haben Regierungen weltweit die heimischen Banken vor der Pleite bewahrt. Vor allem die deutschen Landesbanken waren auf massive Hilfe angewiesen. Wirklich kleine Institute hingegen ließ man einfach untergehen.
FRANKFURT/BERLIN. Wie massiv die Finanzkrise war, zeigt vor allem eine Tatsache: Nicht alle Banken hätten sie aus eigener Kraft überlebt. In Deutschland, aber auch im Ausland musste der Staat einspringen, um einen Zusammenbruch der Institute mit entsprechenden Folgen für das gesamte Finanzsystem zu verhindern. Nur wirklich kleine Institute wie die deutsche Weserbank ließ man untergehen.
Spätestens mit der Rettung der IKB hatte die Finanzkrise Deutschland erreicht – mit der Düsseldorfer Mittelstandsbank geriet das erste Institut weltweit so an den Abgrund, dass es Ende Juli 2007 von der staatlichen Förderbank KfW als Hauptaktionär und den Bankenverbänden gerettet werden musste. Zu groß war die Angst, dass ein Untergang der Bank andere Institute mitreißen und den Finanzplatz in die Krise stürzen könnte. Jochen Sanio als oberster deutscher Bankenaufseher warnte, es könne sonst die größte Bankenkrise seit 1931 bevorstehen.
Mehr als 8,5 Mrd. Euro hat über mehrere Stufen die Rettung der IKB bisher Bund, KfW und Bankenverbände gekostet. Während der Verkauf der IKB läuft, ist noch immer nicht geklärt, wer welche Verantwortung an dem Zusammenbruch trägt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Ex-Vorstände. Eine im März beschlossene Sonderprüfung soll zeigen, ob der Aufsichtsrat mit prominenten Vertretern wie Eon-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann und Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen wirklich so wenig wusste, wie dessen Mitglieder beteuern.
Besonders medienwirksam lief der Zusammenbruch des britischen Immobilienfinanzierers Northern Rock ab. Die Bilder der langen Schlangen vor den Filialen des englischen Instituts gingen um die Welt. Immer mehr verunsicherte Kunden wollten schnell an ihr Geld. „Für mich wurde die Krise im September 2007 breitenwirksam, jeder wusste spätestens zu diesem Zeitpunkt, wie ernst die Lage war“, sagt ein Landesbankvorstand im Rückblick.
Wie schwierig die Lage bei den Landesbanken war, wurde erst scheibchenweise klar. Auch sie waren zu groß, als dass man sie hätte fallen lassen können. Beispiel SachsenLB: Mit ihren außerbilanziell geführten Zweckgesellschaften drehte sie über ihre irische Tochter jahrelang ein großes Rad. Zum Eklat kam es im Sommer 2007, als die Refinanzierung des mehr als 20 Mrd. Euro schweren Portfolios nicht mehr funktionierte. Obwohl die Sparkassen-Finanzgruppe Liquiditätslinien von mehr als 17 Mrd. Euro zur Verfügung stellte, stand die Bank eine Woche später vor einem Ausfallrisiko, das das haftende Eigenkapital empfindlich angegriffen hätte. Als die Finanzaufsicht BaFin mit der Schließung drohte, übernahm die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Institut und schnürte ein milliardenschweres Rettungspaket, das die EU-Kommission mittlerweile abgesegnet hat. Für die ersten Ausfälle im abgeschirmten Wertpapierportfolio haftet der Freistaat Sachsen mit gut 2,7 Mrd. Euro. Mittlerweile firmiert die SachsenLB als „Sachsen Bank“, die Landesbankfunktionen übt die LBBW aus.

