Zu hohe Gebühren: Britischen Banken droht Milliardenstrafe

Zu hohe Gebühren
Britischen Banken droht Milliardenstrafe

Über Jahre hinweg haben die Banken auf den britischen Inseln Milliarden damit verdient, dass sie ihren Kunden deftige Strafen für überzogene Girokonten aufgebrummt haben. Doch nun schlägt das Pendel zurück. Es drohen heftige Rückforderungen. Die Analysten schlagen Alarm.

LONDON. Bis spätestens 7. März wird die Verbraucherschutzbehörde Office of Fair Trading (OFT) entscheiden, ob die Kreditinstitute zu hohe Strafgebühren von ihren Privatkunden gefordert haben. Die britischen Banken verlangen für jeden Tag, an dem ein Kunde sein Girokonto über das individuelle Limit hinaus überzieht, Strafzahlungen zwischen 20 und 30 Pfund, die zusätzlich zu den Überziehungszinsen fällig werden.

Nach Ansicht des Bankenverbandes British Bankers Association spiegeln die Gebühren lediglich die Kosten wider. Dagegen verweisen Verbraucherschützer auf einen Präzedenzfall. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte OFT entschieden, dass Banken für zu spät gezahlte Kreditkartenrechnungen lediglich die Verwaltungskosten von geschätzten zwölf Pfund verlangen dürfen, nicht aber die bis dahin üblichen Sätze von 25 Pfund und mehr. Damals hatte die Behörde klar gemacht, dass dieser Grundsatz auch für andere Finanzdienstleistungen gelte.

Analysten schätzen, dass die Entscheidung des OFT zum Kreditkartengeschäft die Banken jährlich Einnahmen von bis zu 300 Mill. Pfund gekostet hat. Sollte die Behörde, wie von vielen Experten erwartet, auch die Strafgebühren für Kontenüberziehung begrenzen, wäre der Schaden deutlich größer.

Banken verdienen Milliarden

Die Schätzungen für die Einnahmen der Banken aus den Strafgebühren schwanken zwischen einer und drei Mrd. Pfund jährlich. Analyst Jonathan Pierce von Credit Suisse hält es für wahrscheinlich, dass das OFT die Strafzahlungen auf etwa 20 Pfund begrenzt. Das würde nach Rechnung des Analysten die Gewinne der britischen Banken jährlich um rund 500 Mill. Pfund schmälern. Bei einigen besonders verbraucherlastigen Instituten wie Lloyds TSB könnten dadurch rund drei Prozent des Ergebnisses aus dem Inlandsgeschäft wegbrechen.

Darüber hinaus droht den Banken eine Klagewelle von Kunden, die unzulässige Strafzahlungen für die zurückliegenden sechs Jahre zurückfordern können. Experten beziffern den möglichen Schaden aus diesen Rückforderungen auf bis zu zehn Mrd. Pfund. Analyst Pierce weist darauf hin, dass die Kreditinstitute auf jeden Fall gewinnmindernde Rückstellungen für dieses Risiko bilden müssen, die die Bilanzen in den nächsten Jahren belasten würden.

Sollte das OFT tatsächlich im Sinne der Verbraucher entscheiden, könnte sich das für die Kunden am Ende dennoch als Pyrrhussieg herausstellen. Denn die Banken drohen im Gegenzug mit der Einführung von Kontoführungsgebühren. Traditionell sind Standard-Bankgeschäfte in Großbritannien kostenlos. Bislang werden lediglich für 15 Prozent der 50 Mill. britischen Bankkonten Gebühren fällig. Dabei handelt es sich meist um Modelle, bei denen zusätzliche Leistungen wie Versicherungen zum Paket gehören. Nach Einschätzung von Analysten könnte sich die Gebührenpolitik der Banken schnell ändern. Als Vorreiter hat die HSBC-Tochter First Direct bereits damit begonnen, von Kunden, die weniger als 1 500 Pfund monatliche Einzahlungen auf ihrem Girokonto verzeichnen, eine Gebühr von zehn Pfund zu fordern.

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