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18.09.2007 
Versicherer sucht Kaufgelegenheit

Zurich will in der Krise wachsen

von Oliver Stock

Die aktuelle Finanzkrise zieht immer weitere Kreise – hinterlässt jedoch nicht nur Verlierer. Das Schweizer Versicherungsunternehmen Zurich Financial Service (Zurich) sondiert derzeit den Markt nach Schnäppchen, um durch günstige Einkäufe den eigenen Konzern zu stärken. Diese Maßnahme ist dabei allerdings auch eine Notwendigkeit.

Hat stets ein Auge auf die Rentabilitätsziele: Zurich-Finanzchef Dieter Wemmer. Foto: ArchivLupe

Hat stets ein Auge auf die Rentabilitätsziele: Zurich-Finanzchef Dieter Wemmer. Foto: Archiv

ZÜRICH. Der Schweizer Versicherer Zurich Financial Services (Zurich) will expandieren. Der größte Industrieversicherer Europas setzt auf Zukäufe und will vor allem sein Privatkundengeschäft durch eine neue Preis- und Vertriebspolitik ausbauen. „Der Akquisitionsdruck ist da“, stellt Zurich-Finanzchef Dieter Wemmer im Gespräch mit dem Handelsblatt fest. Die Krise an den Finanzmärkten, die Banken und Versicherer in Mitleidenschaft gezogen hat und gestern wieder den Kurs der Zurich-Aktie drückte, betrachtet Wemmer vor diesem Hintergrund als Chance: „Es gibt gute Kaufgelegenheiten.“

Die deutlichen Worte des Finanzchefs dürften vor allem an die Adresse der Analysten gerichtet sein, die die Aktien des Versicherers nicht zu ihren Favoriten zählen. So spricht etwa die Credit Suisse nur von einer „relativ attraktiven” Anlagemöglichkeit. Heinrich Wiemer von der Züricher Bank Vontobel rechnet mit rund acht Mrd. Dollar, die Zurich für Zukäufe bereitstellen könnte. Wie sehr Zurich auf Wachstum hinarbeitet, demonstrierte der Konzern im Frühjahr, als er Wemmers Vorgänger Patrick O'Sullivan zum „wachstumsverantwortlichen“ Konzernleitungsmitglied machte. Der neue Kassenwart muss nun abwägen, ob ein Kauf zu den Rentabilitätszielen passt. Zurich strebt eine mittelfristige Eigenkapitalrendite auf Basis des operativen Geschäftsgewinns nach Steuern von 16 Prozent an.

Zahlen zur Kriegskasse nennt Wemmer selbst nicht. „Wenn wir einen attraktiven Kandidaten finden, werden wir auch genügend Geld haben.“ Im Zweifelsfall müssten die Aktionäre um Unterstützung gebeten werden. Sinnvoll seien Zukäufe, die die Position in stark wachsenden Ländern Osteuropas, in Russland oder China stärkten. „Wir haben dort lange zu wenig investiert“, räumt Wemmer ein. 2003 war die Gruppe ganz aus dem Privatkundengeschäft in Osteuropa ausgestiegen. „Jetzt suchen wir den Neuanfang“, sagt der Finanzchef.

Zurich setzt sich dank einer soliden Bilanz höhere Ziele. Der Konzern hatte seinen Reingewinn im ersten Halbjahr 2007 trotz massiver Katastrophenschäden um ein Drittel auf 2,68 Mrd. Dollar gesteigert. Im krisengeschüttelten US-Hypothekenmarkt ist Zurich mit 340 Mill. Dollar engagiert. Das Engagement ist nach den Worten des Finanzchefs zu rund drei Vierteln mit der Bestnote bewertet. Für Wemmer ist das kein Zufall, sondern Ausdruck einer Strategie: „Wir wollen unsere Erträge im Versicherungsgeschäft erzielen und arbeiten nicht wie andere Branchengrößen, die überspitzt gesagt zu Hedge-Fonds mutiert sind.“ Analysten wie Wiemer bestätigen die Einschätzung, warnen aber vor zu optimistischen Aussichten: Falls die Krise die US-Konjunktur in Mitleidenschaft ziehe, sei auch Zurich über ihre Tochterfirma Farmers in den USA stärker betroffen.

Neben Wachstum durch Zukäufe will der Versicherer im umkämpften europäischen Privatkundengeschäft mit Sach- und Haftpflichtversicherungen zulegen. Deutschland ist das erste Land, in dem Zurich jetzt Direktversicherungsprodukte über die Internet-Plattform Zurich Connect anbietet. Im nächsten Jahr soll das Angebot auf andere Länder ausgedehnt werden. Ziel ist es, in Europa eine länderübergreifende Palette von Produkten per Internet anzubieten.

Im Vertrieb setzt der Konzern, der in Deutschland die Zahl seiner Mitarbeiter und Standorte reduziert hat, auf neue Wege: Gemeinsam mit dem ADAC und demTextilhandelskonzern C&A werden Versicherungspolicen verkauft. Dabei hat sich laut Wemmer besonders das 2006 begonnene Vertriebskonzept über Warenhäuser „besser als erwartet“ entwickelt.

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