
LONDON. Sie werfen dem Geldhaus vor, dass es sich in den chaotischen Tagen unmittelbar nach dem Kollaps bei der Übernahme der Überreste von Lehman widerrechtlich bereichert habe, und fordern deshalb bis zu zehn Mrd. Dollar zurück.
Barclays hatte nur zwei Tage nach dem Zusammenbruch das wichtige nordamerikanische Kerngeschäft samt einiger Immobilien von Lehman übernommen - zum Schnäppchenpreis von 1,75 Mrd. Dollar. Damals begründeten beide Seiten die niedrige Summe mit den Risiken, die noch in den Büchern der US-Bank schlummern könnten. Das Insolvenzgericht hatte den Notverkauf abgenickt.
Die Briten sollen sich bei der Übernahme illegal bereichert haben
Die Rechtsanwälte der Kanzlei Alvarez & Marsal, die die Lehman-Gläubiger vertreten, werfen Barclays und den damals verantwortlichen Lehman-Managern nun vor, dass später weitere Vermögenswerte in das Paket gepackt worden seien, die gar nicht hätten mitverkauft werden sollen. Dies habe das Insolvenzgericht niemals gebilligt. Alvarez & Marsal zufolge hatte Barclays beispielsweise nach der Insolvenz 45 Mrd. Dollar in bar an Lehman überwiesen und dafür im Gegenzug aber Wertpapiere im Wert von 50 Mrd. Dollar erhalten.
Die Lehman-Treuhänder verdächtigen Barclays, die Übernahme damals mit unlauteren Praktiken unter Dach und Fach gebracht zu haben: Vielen damaligen Entscheidungsträgern von Lehman Brothers seien lukrative Posten nach einem erfolgreichen Verlauf durch die britische Bank versprochen worden.
Barclays wollte die Klage am Dienstag nicht kommentieren, hatte die Vorwürfe aber bereits im Herbst als "opportunistisch" und ohne Aussicht auf Erfolg zurückgewiesen. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage etwas beruhigt habe, versuchten die Lehman-Gläubiger nun mit "haltlosen Argumenten" im Nachhinein bessere Konditionen für den Verkauf herauszuholen. Das Aus für Lehman Brothers vor einem Jahr hatte weltweite Schockwellen ausgelöst und für den bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise gesorgt.