
HB WASHINGTON. Der tief in die Finanzmarktkrise verstrickte US-Versicherer AIG zahlt seinen Managern Zulagen in Millionenhöhe. Die Boni im Umfang von 165 Mio. Dollar (128 Mio. Euro) sollten bis Sonntag überwiesen werden, wie aus Regierungskreisen in Washington verlautete. Der angeschlagene Konzern habe sich jedoch bereiterklärt, künftige Extrazahlungen so niedrig wie möglich zu halten. AIG hat in den vergangenen Wochen mehrfach staatliche Hilfen im Gesamtumfang von rund 180 Mrd. Dollar erhalten.
AIG-Chef Edward Liddy informierte Finanzminister Timothy Geithner in einem Schreiben über die anstehenden Zahlungen, wie es weiter hieß. Das Unternehmen habe sich bereits Anfang 2008 vertraglich zur Gewährung der Treueprämien verpflichtet und müsse mit Klagen rechnen, falls es die Zusagen nicht einhalte. "Ehrlich gesagt: AIG sind die Hände gebunden", schrieb Liddy am Samstag. Er räumte zugleich ein, dass er die Boni angesichts der derzeitigen Finanzlage des Konzerns als "geschmacklos und schwierig" empfinde.
Aus dem Finanzministerium hieß es, die Regierung habe nicht die Befugnis, die Zahlungen zu blockieren. Libby kündigte an, die Manager-Zulagen für 2009 deutlich zu reduzieren, voraussichtlich um mindestens 30 Prozent. Geithner hatte Liddy am Mittwoch in einem Telefonat aufgefordert, das Bonussystem von AIG zu überarbeiten. Liddy und sechs weitere Spitzenmanager haben sich bereiterklärt, bereits für 2008 auf Boni zu verzichten.
AIG gab Anfang des Monats den horrenden Verlust von 99,3 Mrd. Dollar für das Jahr 2008 bekannt. Zum vierten Mal binnen weniger Monate musste die US-Regierung zur Rettung einspringen. Sie stellt dem Konzern weitere 30 Mrd. Dollar zur Verfügung, zusätzlich zu schon gewährten Notkrediten von etwa 150 Mrd. Dollar. Der Staat hält mittlerweile 80 Prozent an AIG.