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500 Millionen für Mittelstand: Der Kniefall des Lloyd Blankfein

Eben verrichtete der Chef der Investmentbank Goldman Sachs noch das Werk Gottes, nun zieht sich Lloyd Blankfein das Büßerhemd über. Nachdem der öffentliche Prostest gegen Milliardenboni in der Bankenbranche immer größer wird, will Goldman Sachs nun mit Darlehen für den Mittelstand und Spenden das ramponierte Image aufpolieren.

Lloyd Blankfein ist Chef der Investmentbank Goldman Sachs. Quelle: Reuters
Lloyd Blankfein ist Chef der Investmentbank Goldman Sachs. Quelle: Reuters

NEW YORK. Die Wall Street legt das Büßerhemd an und reagiert mit Spenden auf die wachsenden öffentlichen Proteste gegen die Rückkehr zu Milliardengewinnen und fetten Boni. „Wir haben an Dingen teilgenommen, die eindeutig falsch waren und haben Grund, das zu bedauern. Wir entschuldigen uns“, sagte Lloyd Blankfein, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, am Dienstagabend auf einer öffentlichen Veranstaltung. „Unsere Reputation ist sehr wichtig für uns.“ Kurz darauf kündigte die Bank ein 500 Mio. Dollar schweres Programm zu Unterstützung von kleinen und mittelgroßen Firmen an. Sie setzte sich damit an die Spitze eines Trends. Immer mehr US-Großbanken versuchen, mit Spenden und Hilfsaktionen, die öffentliche Aufruhr zu besänftigen.

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Banken sollen gesellschaftliche Verantwortung erkennen

Ein wachsendes Bündnis aus Gewerkschaften und Bürgerrechtsbewegungen hatte in den vergangenen Wochen den Druck auf die Banken erhöht, sich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu bekennen. Sie werfen den Instituten vor, das Land und sich selbst erst mit der Vergabe von Subprime-Krediten in die Krise geführt zu haben, um sich dann vom Steuerzahler retten zu lassen. „Und dann haben sie sich umgedreht und haben wieder Milliardengewinne gemacht sowie hohe Gehälter gezahlt, während die Menschen weiter arbeitslos sind und ihre Häuser verlieren“, sagte Liz Ryan Murray, Direktorin bei National People's Action am Montag bei einer Demonstration vor der Washingtoner Niederlassung von Goldman Sachs.

Goldman steht mehr als andere Banken in der Kritik, weil die Investmentbank die Krise besser gemeistert hat als die Konkurrenz. Sie ist auf dem Weg, wieder Rekordgehälter auszuschütten. Nachdem Goldman im Frühsommer zehn Mrd. Dollar Staatshilfe zurückgezahlt hat, verdient das Institut wieder Milliarden. Zudem wurden fast 17 Mrd. Dollar für Gehälter und Boni zurückgestellt.

Das nun angekündigte Hilfsprogramm des Wall-Street-Primus reagiert auf Klagen, die von Goldman und seinen Konkurrenten verursachte Krise habe zu einer Kreditklemme vor allem für kleine Firmen geführt. Daher stellt Goldman Darlehen in Höhe von 250 Mio. Dollar zur Verfügung, die über lokale Banken an den Mittelstand ausgeschüttet werden sollen. Weitere 250 Mio. Dollar fließen als Spende vor allem an Hochschulen, die damit Aus- und Weiterbildungsbildungprogramme für kleine und mittlere Betriebe finanzieren sollen. Ein von Blankfein und dem bekannten Investor Warren Buffett geführtes und mit Branchenvertretern sowie Akademikern besetztes Gremium soll die Aktion steuern. „Die Initiative ist ein erster guter Schritt, um die Reputationsprobleme zu lösen“, sagte Michael Robinson von der auf Imageberatung spezialisierten Agentur Levick Strategic Communications. „Die Frage ist, ob das auf Dauer funktioniert“, fügte er hinzu.

Für Goldman markiert das Programm eine Wende in der PR-Strategie. Im Frühsommer hatte sich die Bank zunächst belustigt über einen viel beachteten Artikel im Magazin „Rolling Stone“ geäußert, der dem Institut vorwarf, die „Killerkrake im Gesicht der Menschheit“ zu sein. Als die Kritik lauter wurde, rief Blankfein die Mitarbeiter auf, nicht durch einen luxuriösen Lebensstil aufzufallen und warb selbst in einer Vielzahl von Interviews für sein Haus. Zudem wurde im zweiten Jahr in Folge die Weihnachtsfeier abgesagt und für ein Hilfsprojekt gespendet, das Frauen beruflich fördert. Dies alles konnte den öffentlichen Aufruhr nicht besänftigen, was von der Politik immer mehr zum Anlass genommen wird, die Banken härter zu regulieren. Die neuerliche Maßnahme soll jetzt die Wende bringen.

Hilfsprogramme für notleidende Hausbesitzer

Goldman ist nicht die einzige, aber die mit Abstand aktivste Bank, die sich wohltätig gibt. Eine Reihe von Instituten hat in den vergangenen Wochen und Monaten Hilfsprogramme für Hausbesitzer aufgelegt, die von Zwangsversteigerung betroffen sind, Überziehungszinsen und Strafgebühren gekappt und ihre bestehenden Wohltätigkeitsaktionen in ganzseitigen Anzeigen beworben. JP Morgan, neben Goldman der zweite große Gewinner der Krise, spendete zuletzt eine Mio. Dollar für Bäume in New Yorks Central Park. Bankchef Jamie Dimon ließ es sich nicht nehmen, die Aktion persönlich vor Ort zu verkünden.

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