
HB/ben/pk/kk DEN HAAG. Nach monatelangem Tauziehen kommt die Deutsche Bank bei der verstaatlichten Bank ABN Amro doch noch zum Zug. Auf massiven Druck der EU einigte sich das niederländische Finanzministerium mit der größten deutschen Bank auf die Übernahme der Mittelstandsbank Hollandsche Bank Unie (HBU) und anderer Teile von ABN Amro, wie die beiden Verhandlungspartner am Dienstag mitteilten. Die Deutsche Bank hatte die Gespräche im September platzen lassen, weil sie sich immer neuen Bedingungen der Regierung gegenüber sah, war dann aber an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Mit der Übernahme würde sie nach eigenen Angaben zur Nummer vier bei Geschäftskunden und im Investmentbanking in den Niederlanden.
Die Konditionen seien noch Gegenstand der Verhandlungen, teilte die Bank mit. Das Ministerium wollte sich dazu ebenfalls nicht äußern. Mit dem damaligen ABN-Eigentümer Fortis hatte sich die Deutsche Bank bereits vor 15 Monaten auf einen Kaufpreis von 709 Mio. Euro für die gleichen Firmenteile geeinigt - 300 Mio. Euro weniger als der Buchwert der übernommenen Vermögenswerte, zu denen auch das Geschäft mit dem Ankauf von Forderungen (Factoring) gehört. Die HBU hat rund 1400 Mitarbeiter und 35 000 Firmenkunden.
Doch dann kam die Verstaatlichung von ABN Amro dazwischen, nachdem der belgische Finanzkonzern Fortis in der Finanzkrise auseinandergebrochen war. Teurer dürfte die Übernahme für die Deutsche Bank nicht geworden sein. „Die Zeit ist gut, um Unternehmen von unter Druck stehenden Verkäufern zu übernehmen“, sagte Analyst Matthew Clark von Keefe Bruyette & Woods. „Die Deutsche Bank ist in einer guten Verhandlungsposition.“ Konrad Becker von Merck Finck sagte, die Übernahme ändere die Strategie der Deutschen Bank nicht. „Ein attraktiver Bankenmarkt wie die Niederlande, auf dem sich derzeit einiges umwälzt, bietet eine gute Gelegenheit zum Einstieg.“
Eine Kapitalerhöhung ist offenbar nicht nötig. Ein Sprecher der Bank verwies auf Äußerungen von Finanzchef Stefan Krause, dass die Deutsche Bank gut kapitalisiert sei.
Neben dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank und der Notenbank der Niederlande muss auch die EU die Transaktion noch absegnen. Sie hatte die Frist für den Verkauf insgesamt sechsmal verlängert. Nun will sie auch noch warten, bis die Verträge mit der Deutschen Bank unterzeichnet sind. Der HBU-Verkauf ist eine Auflage der EU, weil die niederländische Regierung ABN Amro und deren ebenfalls verstaatlichtes Schwesterinstitut Fortis Bank Nederland fusionieren will, um die Großbank ab 2011 wieder an die Börse zu bringen.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte mehrfach deutlich gemacht, dass nach ihrer Ansicht an der Frankfurter Großbank als Käufer kein Weg vorbei führe. Nur mit ihr sei ein funktionierender Wettbewerb um niederländische Firmenkunden sichergestellt. Die Niederlande hatten Berichten zufolge als Alternative einen Verkauf von Fortis-Teilen an die französische BNP Paribas favorisiert, der bereits der belgische und der niederländische Arm der Bank gehören.
Der Kauf der ABN-Tochter ist der neueste Coup in einer ganzen Reihe von Übernahmen durch die Deutsche Bank. Ihr deutsches Privatkundengeschäft hat die Marktführerin kürzlich mit der Norisbank, der Berliner Bank und der Postbank gestärkt. Derzeit laufen die Verhandlungen über den Kauf der Vermögensverwaltung der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim.
Bei ABN Amro war es der mittlerweile dritte Anlauf der Deutschen Bank. Die Übernahme der ABN-Teile vom Finanzkonzern Fortis war schon Mitte 2008 zum Preis damaligen von 709 Mio. Euro festgezurrt worden. Wegen der Finanzkrise musste jedoch der niederländische Staat der heimischen Bank zur Seite springen, die Gespräche wurden abgebrochen.
Außerdem zeigt die Deutsche Bank nach Angaben aus Finanzkreisen zeigt das größte deutsche Geldhaus dabei auch Interesse an Filialen der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Doch haben noch andere die Hand gehoben. Bislang war nur bekannt gewesen, dass sowohl die britische Bank Barclays als auch das italienische Institut Intesa Sanpaolo den Finger gehoben hatten. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, man wolle Spekulationen nicht kommentieren.