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Älteste Bank der Welt: Kommunikationschef von Monte dei Paschi begeht Selbstmord

Die Krise bei der italienischen Bank Monte dei Paschi wird immer dramatischer: Laut Medienberichten hat sich offenbar der Kommunikationschef das Leben genommen. Wenige Tage zuvor hatten Ermittler sein Büro durchsucht.

Der Schriftzug der alteingesessenen italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) auf dem Schaufenster einer Filiale in Rom. Quelle: SAP/dpa
Der Schriftzug der alteingesessenen italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) auf dem Schaufenster einer Filiale in Rom. Quelle: SAP/dpa

RomDer Kommunikationschef der skandalgebeutelten italienischen Banca Monte dei Paschi di Siena hat sich nach italienischen Medienberichten am Mittwoch aus einem Fenster des Bankhauses in den Tod gestürzt. Ermittler hatten vor anderthalb Wochen im Zusammenhang mit dem Verschwinden von hunderten Millionen von Euro von BMPS-Konten die Wohnung und das Büro von David Rossi durchsucht. Es war jedoch keine Strafanzeige gestellt worden.

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Presseberichten zufolge sprang Rossi aus einem Fenster des aus dem 14. Jahrhundert stammenden Hauptsitzes der Bank im Palazzo Rocca Salimbeni in Siena. Rettungskräfte konnten nur noch seinen Tod feststellen.

Europäische Banken

Die angeschlagene italienische Bank verlangt von zwei ehemaligen Managern sowie den beiden Banken Deutsche Bank AG und Nomura Holdings Inc. mindestens 1,2 Mrd. Euro an Schadenersatzzahlungen. Das berichtete Reuters am späten Mittwochabend unter Berufung auf informierte Kreise. Sprecherinnen von Monte dei Paschi und Deutscher Bank wollten auf Nachfrage von Bloomberg News keinen Kommentar zu dem Bericht abgeben.

Verdacht auf Insiderhandel Razzia bei italienischer Monte Paschi

Die italienische Monte dei Paschi steckt in der schwersten Krise ihrer Firmengeschichte.

Monte dei Paschi hatte am 1. März erklärt, dass sie unter anderem die Deutsche Bank und Nomura Holdings wegen zweier Derivate auf Schadenersatz verklagt habe - ohne dabei allerdings auf die geforderte Summe einzugehen.

Die Bank reichte ihren Angaben zufolge in Florenz zwei getrennte Klageschriften ein. Dabei sei es um zwei Kontrakte aus den Jahren 2008 und 2009, die die Bezeichnungen Santorini und Alexandria trugen, gegangen.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

  • Hohe Bußgelder

    Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

  • Barclays

    Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

  • Barclays II

    Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

  • Goldman Sachs

    Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

  • ABN Amro

    Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

  • Credit Suisse

    Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

  • ING

    Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

  • Standard Chartered

    Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

  • Royal Bank of Scotland

    Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

  • HSBC

    Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

  • UBS

    Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

  • UBS II

    Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

  • Großvergleich in den USA

    Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

    (Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Monte dei Paschi, die älteste Bank der Welt, ist Gegenstand von Untersuchungen von Regulierern und Strafverfolgern. Der Bank wird vorgeworfen, die Derivate genutzt zu haben, um Verluste zu verbergen. Dadurch habe sich die Rettung der Bank verteuert.

  • 08.03.2013, 00:15 UhrEuroTanic

    Derivate sind ja Wetten. Ich wette, dass es in EUtopia keinen einzigen nicht korrupten Banker grösserer, international tätiger Bankhäuser mehr gibt. :D

  • 07.03.2013, 09:49 Uhrarminharald

    Schade, vermutlich sah er für sich aber kein Alternativen!

  • 07.03.2013, 09:45 UhrLe-h-r-tasche

    BENEDIKT! - SEI FROH, DASS DU RAUS BIST AUS DER NUMMER!

    Was so alles passiert - zwischen zwei Päpsten.
    Natürlich kann man mit Schwung aus dem Fenster fallen.
    Und im Gegensatz mit Kontrakten der Deutschen Bank und Nomura sind die Kontrakte mit Gott - früher Gelübde genannt - getragen von immerwährender Einhaltung!
    Das ist der Unterschied.

    ALSO, WENN ICH RATZINGER HEISSEN WÜRDE, DENEN TÄTE ICH NICHT DIE BEICHTE ABNEHMEN. DAS BELASTET EINEN DOCH!

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