
ChicagoDas Gleacher Center im Herzen Chicagos hat mit einer Uni nicht viel gemein. Am Empfang spielt leise Musik, die Flure sind mit Schall schluckendem Teppich ausgelegt, Dienstmädchen schieben Tablettwagen vor sich her.
Dass der ein oder andere Student hier mit Krawatte bei der Vorlesung aufkreuzt, fällt gar nicht auf in dem noblen Tagungszentrum, das ein paar Hörsäle der Booth School of Business beherbergt. Nicht wie jene sauerstoffarmen Säle deutscher Massen-Unis – der Booth-Student sitzt bei angenehmer Temperatur auf gepolstertem Drehstuhl, während sich der Dozent über den eingebauten LCD-Projektor freut.
Einer der begehrtesten Dozenten ist derzeit Axel Weber, Ex-Bundesbankpräsident und seit September Gastprofessor. Im dunklen Anzug, gut gelaunt und überpünktlich erscheint der 54-Jährige an diesem Montag zu seinem Seminar, auch wenn er gerade ein anstrengendes Wochenende mit den Tagungen von IWF, Weltbank und Bankenverband IIF hinter sich hat.
Viel neuer Stoff für seinen Kurs, der den Studenten, die es dort hineingeschafft haben, einiges abverlangt: „Central Banking: Theories and Facts“, heißt es wahlweise montagmittags oder -abends, jeweils drei Stunden am Stück. „Wenn Sie der Vorbereitung nicht genügend Zeit widmen können, sollten Sie diesen Kurs nicht belegen“, hatte Weber vorab im Programm gewarnt. Zudem erwartet er, dass seine Studenten täglich das „Wall Street Journal“ oder die „Financial Times“ lesen, denn das Seminar werde „sehr stark aktuelle Ereignisse behandeln“.
Weber plus „aktuelle Ereignisse“ – kein Wunder, dass der Ex-Bundesbanker keine externen Zuhörer in seinem Kurs duldet. Schließlich wird jedes Wort, jede Gesichtsregung von ihm über den Euro und die Schuldenkrise noch immer weltweit registriert. Er ist eine Art Orakel von Chicago.
Die Zentralbanken (vor allem das FED) sind für die meisten katastrophalen Ereignisse in der Welt verantwortlich und gehören abgeschafft.
Wenn man das so sehen würde, gäbe es keinen Grund, an den Vorlesungen von Herrn Weber teilzunehmen, es sei denn, man wäre kein Monetarist und würde gegen das Diktat der ZBs ankämpfen.
Wieder ein Wichtigtuer. Ein biederer Professor aus Deutschland spielt jetzt den Oberweltweisenmann.
Sie fingen alle an als könige. Und enden dann als Bettler.
Bald alle Fachkompetenz verließ nun sowohl das offizielle Deutschland als auch Europa. Die verbliebene Laienspielschar und ein paar Opportunisten der eher verhärmten Sorte bemühen sich nun ganz allein, den EU- inkompatiblen Euro mit aller Gewalt, d.h. vor allem deutschem Geld, den Märkten zum Fraße vorzuwerfen. Diese bleiben bemüht, mehr und mehr Liquidität einzufordern, damit ihre derart angereizten Spekulationsgelüste ordentlichen Ertrag abwerfen mögen.
Man könnte glatt Mitleid mit den derart verführten Finanzakteuren bekommen, die ihre unbändige Freude über die unfaßbare Naivität deutscher und europäischer Politik kaum verbergen können.
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