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Axel Wieandt: „Vor 2012 schreiben wir keine Gewinne“

Die Hypo Real Estate steht vor weitreichenden Entscheidungen: Der Vorstandschef der HRE, Axel Wieandt, spricht im Handelsblatt-Interview erstmals über die dramatischen Veränderungen, die er mit der Bank vorhat. Außerdem erklärt der Manager, warum es im Sinne der Steuerzahler ist, wenn seine Mitarbeiter Boni bekommen.

Axel Wieandt hat Großes mit der HRE vor. Quelle: ap
Axel Wieandt hat Großes mit der HRE vor. Quelle: ap

Herr, Wieandt, wie fühlt man sich als Deutschlands wichtigster Staatsbanker?

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So sehe ich meine Rolle nicht.. Ich bin Teil eines Teams und wir arbeiten mit allen Beteiligten hart daran, die Dinge im Sinne der Gesellschaft bestmöglich zu erledigen.

Was hat sich seit der Mehrheitsübernahme durch den Bund geändert?

Mit dem Einstieg des Bundes können wir an die Refinanzierungsmärkte zurückkehren. Wir haben erste Pfandbriefe privat platziert. Wir bekommen wieder - wenn auch sehr kurzfristiges - unbesichertes Geld, Banken öffnen Kreditlinien für uns. Und es gibt auch wieder mehr Institute, die uns als Geschäftspartner bei Absicherungsgeschäften akzeptieren. Das sind Signale, die wir als Vertrauensbeweise für den eingeschlagenen Kurs werten.

Die HRE kostet die Steuerzahler viel Geld. Können Sie den Zorn vieler Bürger auf die Banker verstehen, wenn nun schon wieder Boni gezahlt werden?

Das Thema steht in der Tat verstärkt im Fokus,es wird allerdings viel über einen Kamm geschoren. Aber den Wunsch, hier nachhaltigere Strukturen zu schaffen, kann man verstehen. Aus meiner Sicht sind zwei Aspekte relevant: die Höhe einer leistungsbezogenen, variablen Vergütung und die Frage, wie sie an den Geschäftserfolg gekoppelt sind. Anreize, die den langfristigen Geschäftserfolg berücksichtigen, sind sinnvoll.

Für den Vorstand gelten die gesetzlichen Auflagen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes. Das bedeutet, dass ab dem Zeitpunkt der Gewährung von Kapitalhilfen das Jahresgehalt auf 500 000 Euro begrenzt ist, variable Vergütung eingeschlossen.

Wie sieht es aber mit Boni für die Mitarbeiter aus?

Im Interesse des Steuerzahlers müssen wir ein nachhaltiges Vergütungsmodell entwickeln. Das haben wir uns für das zweite Halbjahr vorgenommen. Wir werden das Modell mit dem Soffin abstimmen. Anreizsysteme sind grundsätzlich durchaus im Interesse der Gesellschaft und damit in unserem Fall des Steuerzahlers.

Auch die HRE hat zum schlechten Image der Banken beigetragen. Wie bewerten Sie, dass Ihr Vorgänger Georg Funke ein Millionen-Gehalt einklagt?

Sie werden verstehen, dass ich mich zu laufenden Verfahren und meinem Vorgänger nicht äußern möchte.

Aber Sie prüfen die Verantwortung der alten Führung?

Diese Aufgabe obliegt dem Aufsichtsrat, der eine entsprechende Prüfung in Auftrag gegeben hat. Der Vorstand muß die Verantwortung des alten Aufsichtsrats prüfen. Vor alle aber schauen wir nach vorn und haben mit der Neuausrichtung alle Hände voll zu tun.

Wie steht es um Ihre Verantwortung gegenüber den Alt-Aktionären? Viele Kleinanleger und internationale Fonds klagen ja auf Schadensersatz. Wollen Sie sich kompromissbereit zeigen und auf einen Vergleich einlassen?

Wir nehmen diese Verantwortung - gerade auch im Interesse unserer Eigentümer - selbstverständlich sehr ernst. Allerdings halten wir die Klagen für unbegründet und so argumentieren wir auch vor Gericht. Aber auch hier gilt, dass ich mich zu laufenden Verfahren nicht äußern möchte.

Sehen Sie Notwendigkeit, ein neues Insolvenzrecht für Banken einzuführen, wie es in auf Regierungsebene diskutiert wird?

Ich habe die Vorschläge nicht im Detail geprüft. Aber die Tatsache, dass in den vergangenen Monaten drei Gesetze zur Stabilisierung des Finanzmarkts verabschiedet wurden, zeigt: Es müssen Instrumente geschaffen werden, die die Bewältigung von Bankenkrisen regeln.

Wurde bei der Rettung der HRE eigentlich alles richtig gemacht?

Die Rettung der HRE war alternativlos. Das gilt auch für den Einstieg des Bundes.

Alternativlos sind auch noch weitere Kapitalmaßnahmen des Bundes, zumal sie erst 2012 wieder mit Gewinnen rechnen?

Wir gehen aktuell nicht davon aus, vor 2012 in die Gewinnzone zurückkehren zu können. Die zu erwartenden Verluste werden unsere Kapitalbasis weiter schwächen. Wir haben deshalb immer betont, dass die Gesellschaft weitere Kapitalunterstützung braucht.

In welchem Umfang?

Der Umfang hängt von einer Vielzahl von Parametern ab. Wir müssen aber auf jeden Fall von erheblichem Kapitalbedarf ausgehen. Anders gefragt: Mit welcher Kernkapitalquote würden Sie sich wohl fühlen?

Wir liegen auf Konzernebene aktuell bei 6,9 Prozent, allerdings sind laufende Verluste noch nicht berücksichtigt. In der Branche gelten in diesen Zeiten zehn Prozent oder deutlich mehr als erstrebenswert. Es kommt allerdings darauf an, dass man auch erwartete Verluste über einen Zeitraum bewältigen kann.

Sie haben auch Interesse an einer Bad-Bank-Lösung gezeigt, wollen also faule Kredite und Geschäftsfelder auslagern, die Sie einstellen möchten. Bringt auch das etwas für die Eigenkapitalquote?

Ja, wir versprechen uns davon einen Vorteil, denn diese ausgelagerten Vermögenswerte müssten wir nicht mit regulatorischem Eigenkapital unterlegen. Unsere strategische Kernbank, die Deutsche Pfandbriefbank, könnte so weiter entlastet und schneller reprivatisierungsfähig werden.

Wie weit sind ihre Gespräche mit dem Bankenrettungsfonds Soffin, der dafür zuständig ist, schon gediehen?

Wir befinden uns wohl an der Spitze einer Entwicklung, eine grundsätzliche Vereinbarung noch in diesem Jahr erscheint möglich. Entschieden ist aber noch nichts. Die Umsetzung wäre ein hochkomplexer Prozess, der sicher längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Das ist keine Lösung, die Sie von der Stange kaufen und implementieren können.

Wie voluminös wird Ihr Abwicklungsvehikel ausfallen?

Dieses Vehikel könnte sich in einem ersten Schritt insbesondere aus problembehafteten und/oder nicht pfandbrieffähigen Krediten im Immobilienportfolio der Deutschen Pfandbriefbank speisen. In einem zweiten Schritt prüfen wir, inwieweit wir auch Teile eines 210-Milliarden-Portfolios einbringen können, das hauptsächlich Aktiva öffentlicher oder dem öffentlichen Sektor nahestehender Schuldner enthält und größtenteils bei der irischen Depfa Bank plc. liegt. Es könnten also Vermögenswerte in einem dreistelligen Milliardenbetrag übertragen werden.

Bleibt dann noch eine überlebensfähige Kernbank übrig oder muss der Rest an eine Vollbank angedockt werden?

Die Kernbank muß letztlich wieder alleine überlebensfähig sein. Die Deutsche Pfandbriefbank wird sich auf das Immobilien- und Staatsfinanzierungsgeschäft konzentrieren und könnte eine Bilanzsumme von bis zu 150 Mrd. Euro haben.

Was für Renditen sind denn mit Ihrem neuen Geschäftskonzept möglich? Die alte Führung strebte eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 15 Prozent an.

Dieses Geschäftsmodell sollte einstellige Renditen abwerfen können. Es muss dazu sehr diszipliniert gemanagt werden.

Passt zu dem Modell auch ein Andocken der Eurohypo?

Ich habe mehrfach gesagt, dass an den Gerüchten nichts dran ist. Das steht nicht auf der Agenda und wenn, wäre das eine Frage für den Bund.

Aber dafür, dass Sie allein bleiben wollen, ist ihr Neugeschäft schwach ausgefallen?

Wir tätigen in der aktuellen Phase selektiv Neugeschäft. Sie sollten außerdem bedenken, dass der gesamte Immobilienmarkt um bis zu 80 Prozent eingebrochen ist. Die Marktteilnehmer sind auf der Immobilienseite sehr vorsichtig geworden. Im Staatsfinanzierungsgeschäft bauen wir unseren Vertrieb neu auf. Wenn der Markt wieder dreht, haben wir aber gute Chancen: Manche Banken konzentrieren sich auf ihre Heimatmärkte, andere sind aus der Immobilienfinanzierung ausgeschieden, es gibt also weniger Anbieter.

Die HRE muss sich neu erfinden. Quelle: dpa
Die HRE muss sich neu erfinden. Quelle: dpa

Wann springt der Markt wieder an?

Schwer zu sagen. Die Krise der Realwirtschaft schlägt jetzt mit Verzögerung durch auf die Immobilienmärkte. Wir beobachten eine Zurückhaltung von Mietern und damit auch von Investoren. Die Mietniveaus sinken, die Leerstandsquoten steigen. Das schlägt sich auch in der Bewertung nieder und führt zu einem Anstieg der Problemkredite.

Dann werden Sie dem Bund seine Milliarden ja so bald nicht zurückzahlen können?

Wir wollen die Garantien zurückführen, sobald wir Assets veräußern können beziehungsweise diese zurückgezahlt werden und wir die Refinanzierung über den Markt aufbauen können. Die Rückführung des Eigenkapitals setzt voraus, dass wir wieder Gewinne machen. Jetzt über Zeitpunkte zu spekulieren, wäre verfrüht.

Würde Ihr Geschäftsmodell, das auch die Finanzierung von Ländern und Kommunen vorsieht, denn überhaupt ohne die Rückendeckung des Bundes funktionieren? Sind Sie reprivatisierungsfähig?

Wir sehen den Marktbedarf und damit eine Chance für einen spezialisierten Immobilien- und Staatsfinanzierer, der sich in erster Linie über Pfandbriefe refinanziert. Ob das Geschäftsmodell am Kapitalmarkt ankommt, wird sich zeigen. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Deutsche Pfandbriefbank erfolgreich sein wird.

Apropos, sie planen für Ende August oder Anfang September eine öffentliche Pfandbriefemission. Es wäre der erste Kapitalmarktauftritt seit einem Jahr. Wagen Sie gleich eine Großemission?

Ich will mich weder auf einen Zeitpunkt noch auf die Größe einer Emission festlegen.Aber es muss unser Bestreben sein, auch wieder Jumbo-Pfandbriefe zu emittieren. Wir wollen und müssen uns am Kapitalmarkt wieder einen Namen machen.

Nebenher läuft die Restrukturierung der Bank. Wie weit ist der Abbau von Arbeitsplätzen?

Wir haben uns schon mit mehr als 300 Beschäftigten auf eine Trennung geeinigt. 15 Standorte sind bereits geschlossen, weitere elf stehen noch an. Wir konzentrieren uns auf neun Standorte. Wir liegen voll im Restrukturierungsplan. Das gilt auch für die Kosten.

Viel Arbeit allerorten. War der Job für Sie noch schwerer als erwartet?

Es gab jedenfalls eine Vielzahl von Entwicklungen, die so nicht vorhersehbar waren.

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