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„Bad Banker“: Der Krimi zur Finanzkrise

Zwei Jahre nach der Lehman-Pleite erscheint mit "Bad Banker" der erste Krimi zur Finanzkrise. Der Kommunikationsberater Markus A. Will hat ihn geschrieben - und ist dabei immer wieder von der Realität eingeholt worden.

Rolf-E. Breuer ist ein großer Fan von Wills Krimi. Quelle: dpa
Rolf-E. Breuer ist ein großer Fan von Wills Krimi. Quelle: dpa

FRANKFURT. "Es wird so geschildert, wie es sich abgespielt hat", sagt Rolf-E. Breuer über das jüngste Buch zur Finanzkrise. Und er muss es wissen, schließlich war er lange Jahre Chef der Deutschen Bank. Sachbücher habe es zu diesem Thema in letzter Zeit wahrlich genug gegeben, sagte Breuer bei der Buchpräsentation von "Bad Banker" in Frankfurt. Stück für Stück hat Autor Markus A. Will ihm das Buch geschickt, und Breuer zeigte sich durchaus angetan: "Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen", erzählte der Banker im Ruhestand. Kennengelernt haben sich die beiden, weil Will Mitte der 1990er-Jahre als Kommunikationsmanager bei der Deutschen Bank in London anheuerte.

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Im Fokus des Buches steht die Führungsriege der fiktiven Carolina Bank mit Sitz in New York und London, allen voran die Investmentbanker Mitch Lehman und Isabella Davies. Er, der gierige und machtbesessene Chef der Investmentsparte, der seine "Kapitalmarktsöldner auf dem Trading-Floor behandelt wie Soldaten". Sie, die studierte Physikerin und autistische Finanzingenieurin, die sich darum kümmert, dass die Risiken der Bank möglichst so verschachtelt werden, dass der maximale Gewinn dabei herausspringt, bei gleichzeitig möglichst geringem Risiko.

Holiri heißt das Finanzprodukt, auf das Isabelle Davies besonders stolz ist: "Das neueste Produkt aus meiner Derivateküche." Spätestens im Krisenjahr 2008 wird dieses Produkt den Investmentbankern große Probleme bereiten. Zunächst zweifelt an den Holiris in der Bank selbst aber nur der Schweizer Carl Bensien, der ihr dafür lediglich einen Verfügungsrahmen von "nur fünf Milliarden Euro" geben will. Der Chief Risk Officer der Carolina Bank verbringt den größten Teil seiner Zeit damit, die Risiken der Bank zu bewerten und mögliche Horrorszenarien durchzuspielen. Zwar ist auch er ein Fanatiker, der beim Anblick einer Ricola-Werbung in seiner Schweizer Heimat spontan ein Zertifikat bastelt, das Risk Collateral Leveral Asset heißen könnte. Im Laufe des Buches entwickelt er sich aber zum guten Gewissen in der Bank.

Zunächst klappt aber erst einmal alles ohne Probleme. Im Rekordjahr 2006 erzielt die Carolina Bank Milliardengewinne, die Boni sprudeln. So sehr, dass Mitch Lehman sich eine Insel kauft und darauf ein Luxusdomizil errichtet. "Ich hatte das Haus bewusst übertrieben entworfen", erzählt Autor Markus Will. Nur um zwei Wochen später in einer großen Zeitung in einem Bericht über einen Betrüger ein Ähnliches zu sehen. Das eine oder andere Mal habe ihn die Realität eingeholt, teilweise sogar überholt, sagt er. "Ich dachte erst, dass das Betrugsvolumen in meinem Buch in Höhe von 50 Mrd. Euro etwas zu hoch angesetzt ist". Wenige Wochen später ging dann der Madoff-Skandal durch die Presse, Betrugsvolumen: 65 Milliarden Dollar.

In einer der stärksten Szenen des Buches wird ein von Bensien entworfener Stresstest ausführlich beschrieben. Was passiert mit den Risiken der Bank, wenn der Dollar einbricht und es gleichzeitig einen Terroranschlag gibt? Unter welchen Bedingungen ist gar die Existenz der Bank bedroht? Wie reagieren die Trader im Handelssaal, der "Legebatterie der Kapitalmärkte"? Hier wird deutlich, dass Will dieses Buch keineswegs für Finanzexperten geschrieben hat, eher im Gegenteil: dank der detaillierten Beschreibungen versteht man viele Fachbegriffe und deren wahren Hintergründe nach der Lektüre sogar besser als vorher.

Bei der Regulierung sieht Will, der seine berufliche Laufbahn als Wirtschaftsjournalist begonnen hat, erste Anzeichen von Besserung. Mit Basel III seien wichtige Korrekturen im Bankenwesen vorgenommen worden. Das alles könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem ein Mentalitätswandel in der Branche nötig sei. Sein provokanter Vorschlag: Ein sozialer Monat pro Jahr für jeden Investmentbanker, damit die nicht komplett in ihrer Parallelwelt versinken.

Bibliographie


Markus A. Will
Bad Banker
Friedrich Reinhardt Basel 2010
730 Seiten, 19,80 Euro

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