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Bank-Bilanzzierungsregeln: Unterschätzte Verluste

Eine transatlantische Arbeitsgruppe hochrangiger Bilanzexperten ist bei ihrer Analyse der Finanzkrise zu einem verblüffenden Ergebnis gekommen: Die Bilanzzierungsregeln hätten dazu geführt, dass sich die Krise nicht verschärft, sondern die Verluste der Banken sogar noch unterschätzt wurden, so das Ergebnis der internationale Expertengruppe.

Bankentürme in Frankfurt. Laut FCAG wurde die Krise durch die Bilanzzierungsregeln für Banken unterschätzt. Quelle: ap
Bankentürme in Frankfurt. Laut FCAG wurde die Krise durch die Bilanzzierungsregeln für Banken unterschätzt. Quelle: ap

LONDON. Die Financial Crises Advisory Group (FCAG) räumt zwar ein, dass die Krise Schwächen der gängigen Bilanzregeln aufgedeckt hat. Glaubt man dem Bericht der Gruppe aber, dann haben diese Regeln die Folgen der Marktverwerfungen für die Finanzbranche nicht verschärft, sondern die Verluste der Banken sogar noch unterschätzt.

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Die FCAG ist eine Arbeitsgruppe, die vom International Accounting Standards Boards (IASB) und vom Financial Accounting Standards Board (FASB) ins Leben gerufen wurde. Das IASB setzt für Europa und weite Teile der Welt verbindliche Regeln für die Bilanzen von kapitalmarktorientierten Unternehmen fest. Das FASB übernimmt die gleiche Aufgabe für den US-Markt.

Die von den beiden Institutionen aufgestellten Regeln sind während der Finanzkrise in die Diskussion geraten. Der Streit dreht sich vor allem um die Frage, wie stark sich aktuelle Schwankungen des Marktpreises von Finanzinstrumenten in den Ergebnissen der Unternehmen widerspiegeln. Die Vorschriften, die Banken und Versicherer zwingen sollen, ihre Wertpapierbestände möglichst aktuell und marktnah zum sogenannten Fair Value zu bewerten, sorgten in der Finanzkrise für hohen Abschreibungsbedarf und verschärften damit die Notlage vieler Geldhäuser. Derzeit diskutieren Politiker und Regulierer, wie sich diese Prozyklizität in Zukunft vermeiden lässt.

In ihrem Bericht kommt die FCAG nun zu dem überraschenden Schluss, dass die gängige Bilanzierungspraxis die Folgen der Finanzkrise für die Banken eher unter- als überschätzt hat. Grund: In der Mehrheit der Länder würden die meisten Banken ihre Vermögenswerte nach wie vor nicht zu aktuellen Marktwerten bewerten, sondern zu den Anschaffungspreisen. Deshalb fielen die in den Bilanzen erfassten Verluste eher zu gering als zu hoch aus.

Die FCAG betont, dass sich Investoren nicht nur auf die in der Rechnungslegung enthaltenen Informationen stützen dürften, weil deren Aussagekraft beschränkt sei - das habe die Finanzkrise schließlich gezeigt. Außerdem drängt die Gruppe das IASB und das FASB, ihre Regeln weiter anzugleichen und zu vereinfachen.

Das IASB hat erst vor kurzem einen radikalen Vorschlag zur Vereinfachung der Bewertung von Finanzinstrumenten unterbreitet, sich damit aber heftige Kritik eingefangen. Dem Vorschlag zufolge soll es künftig nur noch zwei Bewertungskategorien geben: Alles, was einem Kredit gleicht und nicht aktiv gehandelt wird, soll künftig zu Anschaffungskosten im Rechnungswerk stehen. Alles andere wie Aktien oder komplexe Wertpapiere soll grundsätzlich zum Marktwert bilanziert werden. Bisher gab es vier Bewertungskategorien, bei denen Wertpapiere mal zu Anschaffungskosten, mal zum Marktwert bilanziert wurden.

Banken und Versicherer fürchten, dass diese Vorschläge die angeschlagene Branche zu neuen Abschreibungen zwingen könnten, und dass Gewinne und Verluste noch heftiger als bislang mit den Marktbewertungen von Aktien und Anleihen schwanken werden.

In den Streit zwischen IASB und Finanzindustrie hatte sich zuletzt auch die Politik eingemischt. Der deutsche und der französische Finanzminister wollen neue Belastungen für die Finanzbranche verhindern. Die FCAG-Berater warnen allerdings deutlich vor politischer Einflussnahme auf die Bilanzregeln. "Hier wurden in einigen Fällen klar die Grenzen überschritten", sagte Hans Hoogervorst, Chef der niederländischen Finanzaufsicht und einer der Leiter der FCAG.

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