
HB NEW YORK. Die Affäre um Milliarden-Boni der übernommenen Investmentbank Merrill Lynch wird zum Machtkampf zwischen dem neuem Mutterkonzern Bank of America und den US-Justizbehörden. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hat die Bank of America unter Strafandrohung zur Herausgabe einer Liste mit den Namen der Prämien-Empfänger aufgefordert.
Der Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, weigerte sich bei einer stundenlangen Befragung durch Cuomo am Donnerstag (Ortszeit), die Namen zu nennen. Trotz enormer Verluste hatte Merrill Lynch im vergangenen Jahr noch kurz vor Abschluss ihrer Übernahme Boni von insgesamt 3,6 Mrd. Dollar gezahlt. Allein 700 Beschäftigte bekamen jeweils mehr als eine Million Dollar.
Cuomo hat die Praxis der Bonuszahlungen bei mehreren staatlich gestützten US-Banken ins Visier genommen. Ein Sprecher der Bank of America sagte US-Medien, sein Haus werde die Liste nur übergeben, wenn der Generalstaatsanwalt Vertraulichkeit garantiere und sie nicht veröffentliche. Dies habe Cuomo aber bisher abgelehnt. Der frühere Merrill-Lynch-Chef John Thain weigerte sich bislang ebenfalls, die Namen zu nennen.
Pikantes Detail: Lewis, dessen Bank ihre Zentrale in Charlotte (North Carolina) hat, reiste den Berichten zufolge zur Befragung per Firmen-Jet an. Die Geschäfts-Flugzeuge stehen angesichts der Milliardenhilfen für Banken derzeit in den USA schwer in der Kritik.
Die zunächst gefeierte Übernahme wurde wegen später entdeckter Milliardenlöcher bei Merrill Lynch für die Bank of America zum Debakel. Lewis zwang daraufhin Thain Ende Januar zum Rücktritt. Die Bank of America gehört zu den größten Empfängern staatlicher Kapitalspritzen im Zuge der Finanzkrise.