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Bankaffäre: HSH Nordbank: Projekt Chili

Die marode HSH Nordbank gerät weiter ins Zwielicht. Hatte sie vor, die feine Immobiliengesellschaft Hamborner AG über den Tisch zu ziehen? Einiges spricht dafür, die Verantwortlichen bestreiten den Verdacht. Eine Spurensuche.

Der Eingang der HSH Nordbank. Quelle: ap
Der Eingang der HSH Nordbank. Quelle: ap

BERLIN. Der Brief, den Roland Stauber an diesem warmen Sommertag diktiert, ist ein Alarmsignal. Der Vorstandschef der traditionsreichen Immobiliengesellschaft Hamborner lässt das Schreiben direkt von seiner Assistentin nach Bonn bringen. Dort hat sein Aufsichtsratschef, Eckart John von Freyend, sein Büro. In dem fünfseitigen Brief schildert Stauber ausführlich, wie ihn der Großaktionär seiner Meinung nach zu Geschäften drängen will, die rechtswidrig sind. Das ist nicht nur Staubers Privatmeinung. Der Immobilienmanager legt auch ein umfangreiches und eindeutiges Gutachten bei. Und er fordert den Aufsichtsrat eindringlich auf einzuschreiten.

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Das macht John von Freyend auch. Drei Tage später wird Stauber gefeuert. Die Ad-hoc-Mitteilung, die am 15. August 2008 über die Ticker rauscht, kommt einer öffentlichen Hinrichtung gleich. „Der Aufsichtsrat der Hamborner Aktiengesellschaft hat die Bestellung von Roland J. Stauber zum Mitglied des Vorstands aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung widerrufen.“

Das alles ist ein gutes Jahr her. Stauber ist inzwischen durch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht rehabilitiert, in dem sein ehemaliger Arbeitgeber sämtliche Vorwürfe gegen ihn zurücknehmen musste. Um so zweifelhafter erscheinen jetzt die Vorgänge im August 2008. Wie problematisch waren die Immobiliengeschäfte, die der Großaktionär damals nach Staubers Meinung durchdrücken wollte? Warum wurde der Vorstandschef gefeuert?

Für den Großaktionär birgt der Fall gefährlichen Sprengstoff. Es ist die HSH Nordbank – jene Bank, die durch hohe Verluste in Schieflage geraten ist und schon genug negative Schlagzeilen hat. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG wirft der HSH Nordbank Versäumnisse beim Risikomanagement und der internen Revision vor und den Aufsichtsgremien eine mangelnde Kontrolle. Noch dazu hat Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher eine politisch umstrittene Sonderzahlung erhalten. Im Kampf um die Macht in Schleswig-Holstein, das am 27. September wählt, sind Management und Aufsicht der HSH Nordbank, die überwiegend dem Land und der Stadt Hamburg gehört, schon jetzt ein hitziges Thema.

Und auch für Aufsichtsratschef John von Freyend ist der Fall heikel. Er ist inzwischen Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), hat beim Thema Corporate Governance einen exzellenten Ruf. Umso vehementer gehen die beschuldigten Parteien auch gegen die Anschuldigungen des Ex-Chefs vor und führen eigene Gutachten ins Feld.

Aber der Reihe nach.

Ende 2006 macht die Immobilienholding der HSH, HSH Real Estate, ein Schnäppchen. Für rund 120 Millionen Euro sichert sie sich von den Erben der Stahldynastie Thyssen die knappe Mehrheit an der Hamborner AG, später stockt sie auf 52,7 Prozent auf. Das Kaufobjekt ist ebenso traditionsreich wie rentabel. Eigentlich war es Anfang der 50er mal als Bergbauunternehmen gegründet worden, die Montanaktivitäten wurden Ende der 60er-Jahre aber in der RAG gebündelt, und die Hamborner konzentrierte sich auf das Immobiliengeschäft.

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