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Bankbilanzen: Banken fürchten weitere Herabstufungen

exklusiv Toxische Wertpapiere bleiben eine schwere Hypothek für das Eigenkapital europäischer Banken. Die Ratingagentur Moody's prüft derzeit noch strukturierte Wertpapiere im Volumen von 1,7 Billionen Dollar auf eine Herabstufung hin. Das geht aus einer aktuellen Übersicht ("Quick Check") der Ratingagentur vom 27. Juli hervor.

Brauen sich die nächsten Gewitterwolken über der Bankenbranche zusammen? Die Institute fürchten schwächere Ratings. Quelle: dpa
Brauen sich die nächsten Gewitterwolken über der Bankenbranche zusammen? Die Institute fürchten schwächere Ratings. Quelle: dpa

FRANKFURT. Auf schlechtere Bonitätsnoten müssen Banken, die solche Wertpapiere besitzen, mit einer höheren Eigenkapitalunterlegung reagieren.

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Die Daten zeigen, welche Sprengkraft forderungsbesicherte Anleihen in Bankbilanzen noch entwickeln können. Das gilt unabhängig davon, ob eine Bank diese Wertpapiere wertberichtigt hat oder nicht. Denn die Berechnung des benötigten Eigenkapitals hat nichts damit zu tun, zu welchem Wert eine Anleihe in den Bankbilanzen verbucht ist. Ein Beispiel: Für ein Wertpapier im Volumen von einer Mio. Euro der Topbonitätsnote „AAA“ muss eine Bank 5 600 Euro Eigenkapital hinterlegen. Sinkt die Note um fünf Stufen auf „A“, braucht sie schon 9 600 Euro. Fünf Stufen tiefer sind bereits 80 000 Euro nötig. Bei Ratings der Ramschkategorie schwankt der Bedarf sogar zwischen 200 000 und einer Mio. Euro.

Drastische Herabstufungen sind keine Seltenheit. Seit Ausbruch der Kreditkrise wurde die Kreditwürdigkeit Zigtausender Wertpapiere teils dramatisch gesenkt. So stutzte Moody's allein in den vergangenen vier Wochen strukturierte Wertpapiere im Volumen von 255 Mrd. Dollar im Schnitt um fünf Stufen zurück. Jüngst warnte auch Bundesbank-Vorstand Franz-Christoph Zeitler vor „dramatischen Rating-Herabstufungen ganzer Wertpapierkategorien, vor allem strukturierter Wertpapiere“, und bezeichnete diese als „wesentliche Risiken“ für die Jahre 2009 und 2010.

Deutsche Banken besitzen laut Bundesbank noch etwa 230 Mrd. Euro an solchen Wertpapieren. Die schon erfolgten umfangreichen Abschreibungen der Banken ändern an der Situation nichts: Die Berechnung des benötigten Eigenkapitals hat nichts damit zu tun, zu welchem Wert eine Anleihe in der Bilanz verbucht ist.

Gerade bei Verbriefungen sind europäische Banken komplett abhängig von den Bonitätsnoten der großen Ratingagenturen: Die Eigenkapitalregeln von Basel II zwingen sie, bei der Berechnung des nötigen Eigenkapitals, die externen Noten zu nutzen. Das gilt selbst für die Banken, die ansonsten für normale Kredite und Wertpapiere interne Bewertungsmodelle verwenden. Das bestätigte auch die Finanzaufsicht BaFin auf Anfrage.

"Die Eigenkapitalanforderungen steigen automatisch mit den sinkenden Ratings. Im Moment kommt man da nicht raus und das ist ein großes Problem", resümiert Frank Cerveny, ein Verbriefungsspezialist der DZ Bank. Und Karsten Backhaus, ein Experte der Landesbank Baden-Württemberg, ergänzt, wenn zwei Ratings vorliegen, seien die Banken verpflichtet, sich nach dem schlechteren zu richten. Davon betroffen sind europäische Banken, nicht aber amerikanische. "Die US-Banken haben dieses Problem nicht, da die noch den Eigenkapitalregeln von Basel I unterliegen", sagt Backhaus. In Europa seien dagegen schon die Basel-II-Regeln gültig. "Das kann für einige europäische Banken ein großes Problem darstellen."

Seit Ausbruch der Kreditkrise wurde die Kreditwürdigkeit zigtausender Wertpapiere gesenkt. 2008 sank gar ein Drittel aller 100 000 strukturierten Ratings um durchschnittlich acht Stufen. Gemessen daran nehmen sich die derzeit etwa 1 600 betroffenen Ratings fast schon gering aus. Dennoch sorgen sich Experten. "Zum Teil hat man den Eindruck, dass die Ratingagenturen sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen - auch um im Zweifel rechtzeitig auf der sicheren Seite zu sein", sagt Cerveny.

Der DZ-Bank-Analyst kritisiert zudem, dass zum Teil gar nicht mehr einzelne Wertpapiere sondern ganze Forderungsarten überprüft werden. Und auch die Übersicht von Moody's ist nur eine Momentaufnahme. So haben die Agenturen zwar einige Forderungsarten wie Firmens- und Gewerbeimmobilienkredite schon stärker unter die Lupe genommen. "Nach der aktuellen Datenlage ist aber nicht auszuschließen, dass die Ratingagenturen sich nun bald in ähnlicher Weise mit Kreditkartenforderungen oder Studentendarlehen beschäftigen werden", betont Cerveny. Deshalb tut er sich schwer mit einer Prognose, ob das Gröbste bei den Herabstufungen nun allmählich ausgestanden ist. "Im Moment drehen alle Ratingagenturen an ganz vielen Schrauben."

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