
EISENBERG. Sie haben die Ställe ausgemistet. Sie haben die Pferde mit Heu versorgt. Sie haben Unkraut gejätet und den Reitplatz gepflegt. Acht Stunden haben Maria Köttertitzsch, Eric Liebold und Michael Puhlfürz nun schon bei den Pferdeställen geschuftet. Was eben so anfällt auf der Agrargenossenschaft Buchheim-Crossem im Osten Thüringens. Das ist Alltag auf der ehemaligen LPG, das ist Alltag für die drei angehenden Bankkaufleute aus dem nahe gelegenen Städtchen Eisenberg.
Nun lehnen die Abiturienten an einer Steinmauer und wirken kein bisschen verlegen in ihrer so untypischen Lehrlingskluft. Grüne Latzhosen statt Anzug, verwaschene T-Shirts statt Hemd und Bluse - Bankerkarrieren starten ungewöhnlich in der ostthüringischen Waldprovinz: Die Volksbank schickt ihre Auszubildenden erst vier Wochen in die Ställe, bevor sie sie auf Bankkunden loslässt. "Wir lernen hier, Respekt davor zu haben, wie der Kunde sein Geld verdient", erklärt Liebold. Im Holz-Saale-Kreis wird das Geld meist in kleinen Betrieben verdient, von Handwerkern, in der Landwirtschaft. Dünkel ist da fehl am Platz, erst recht am Bankschalter.
Ein ungewöhnliches Konzept. Doch gerade ungewöhnlichen Ideen verdanken die Eisenberger ihre Erfolge. Der wohl wichtigste war 2002 die Gründung der Direktbank-Tochter Ethikbank. Ihretwegen zählen die Eisenberger im Grunde zu den Gewinnern der Finanzkrise. Denn die ethisch-ökologische Geldanlage boomt seit der Krise mehr denn je. Seit Januar haben 900 Neukunden ein Konto eröffnet, so viele wie im gesamten Jahr 2008. Sie legten über sieben Mio. Euro frisches Geld an. Mit mittlerweile 8 600 Kunden und 77 Mio. Euro Kundeneinlagen steht die Ethikbank für jeden fünften Kunden ihrer Volksbank-Mutter und 40 Prozent der Spareinlagen.
Die Ethik-Ausrichtung hat der Volksbank Eisenberg das Tor zu Kunden geöffnet, an die sie anders nie gekommen wäre. Zu 90 Prozent stammen sie aus den westlichen Bundesländern und verdienen überdurchschnittlich gut. Das ist wichtig für eine Bank aus einer strukturschwachen Gegend: Weniger Menschen, weniger Kaufkraft, es ist absehbar, dass das traditionelle Geschäft in der Region eher schrumpfen wird. "Es gibt hier in der Gegend im Grunde nur zwei Städte mit Zuzug, Jena und Weimar", sagt Sylke Schröder.