
FRANKFURT. Nach einem Gutachten der Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton soll Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig den Anstoß gegeben haben, dass der unbequeme Aktionär und Anwalt Michael Bohndorf ausspioniert wurde. Dieses Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, soll helfen, die Datenaffäre aufzuklären, die das größte deutsche Finanzinstitut seit Monaten beschäftigt.
In dieser Woche wird das Thema Gegenstand einer Auseinandersetzung vor dem Frankfurter Arbeitsgericht sein. Der im Zuge der Affäre entlassene Sicherheitschef Rafael Schenz klagt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Eine Woche später beginnt auch der Prozess, den der ebenfalls entlassene Investor-Relations-Chef Wolfram Schmitt gegen die Deutsche Bank anstrengt.
Beide können sich auf das interne Gutachten von Cleary Gottlieb Steen & Hamilton berufen. Darin wird detailliert die Rolle Börsigs nachgezeichnet. Außerdem halten die Gutachter fest, dass auch Mitarbeiter der Rechtsabteilung zu jeder Zeit über den Stand der Datenaffäre informiert waren. Während Schmitt und Schenz gehen mussten, sind personelle Konsequenzen in der Rechtsabteilung ausgeblieben.
In dem Gutachten heißt es unter anderem, Börsig habe direkt nach seinem Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat der Bank nach der Hauptversammlung 2006 wissen wollen, wer Bohndorf sei. Er habe Schmitt sinngemäß gefragt, ob Investor-Relations über diese Dinge nicht besser Bescheid wissen sollte. "Börsig habe ihm durch seine Formulierung klar zu verstehen gegeben, dass er ein Tätigwerden von Investor-Relations erwarte", sagte Schmitt den Ermittlern.
Hintergrund für Börsigs Nachfragen ist Bohndorfs Auftritt bei der Aktionärsversammlung, bei der dieser Aufsichtsrat und Vorstand der Bank mit einer Reihe kritischer Fragen konfrontiert hatte. Börsig soll anschließend laut Aussagen Schmitts auch angeregt haben, die Sicherheitsabteilung (Corporate Security) unter Leitung von Schenz einzubeziehen.
Laut Cleary-Bericht war Schenz derjenige, der anschließend einen Privatermittler damit beauftragte, Bohndorf auszuspähen. Im Zuge von dessen Ermittlungen mieteten sich Detektive inkognito in ein Ferienhaus Bohndorfs ein. Ihr Auftrag sah explizit vor, das "private Umfeld", "persönliche Schwächen" und den "Lebensstil" Bohndorfs zu erforschen. Nach Abschluss der Aktion bat Börsig laut Cleary-Bericht seinen Investor-Relations-Chef zum Gespräch. Schmitt habe von der Aktion und dem Einsatz einer Drittfirma berichtet. Weitere Details "wolle Börsig gar nicht wissen", soll Schmitt damals gesagt haben.