
DÜSSELDORF/FRANKFURT/HAMBURG. Bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank knirscht es weiter kräftig. Teilnehmern zufolge kam es vergangene Woche bei der Aufsichtsratssitzung der Dresdner zum „Eklat“. Nach den überaus kurzfristig vorgelegten Zahlen der Wirtschaftsprüfer von KPMG lag die Eigenkapitalausstattung des Instituts zum Jahresende unterhalb der gesetzlichen Mindestanforderung. Die Kontrolleure der Dresdner Bank weigerten sich daraufhin in der turbulenten Sitzung, den Jahresabschluss 2008 zu billigen.
Für das Management um Martin Blessing ist das eine peinliche Schlappe – zumal der Commerzbank-Chef offenbar selbst von der Situation bei der Dresdner überrascht wurde. Zwar ist das fusionierte Institut nach den gut 18,2 Mrd. Euro Staatshilfe mehr als ausreichend kapitalisiert. Doch der Vorfall zeigt, wie schwierig sich der Zusammenschluss gestaltet. Vor Weihnachten hatte der Aufsichtsrat bereits Blessing als Nachfolger von Herbert Walter an der Dresdner-Spitze durchfallen lassen. Zusätzlich hat der Streit um den konzernweiten Wegfall der Boni tiefe Gräben hinterlassen.
Mehrere Teilnehmer der Dresdner Aufsichtsratssitzung bestätigten, die Wirtschaftsprüfer von KPMG hätten am vergangenen Mittwoch die Kernkapitalquote auf 3,7 Prozent beziffert. Dies sind drei Zehntel Punkte weniger, als das Gesetz vorschreibt. Die Dresdner hatte Ende Februar in einer Pressemitteilung „rund 4,0 Prozent“ als vorläufige Größe genannt. Hintergrund ist eine große Finanzierung, die kurzfristig wohl mit mehr Eigenkapital unterlegt werden muss – womit die Ausstattung sinkt. Die endgültige Zahl stehe aber nach wie vor nicht fest, hieß es am Wochenende.